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Wer braucht Big Data?

Ulrich Schüppler
Fachredakteur Immobilien Zeitung

Die Immobilienbranche nicht – oder besser gesagt: noch nicht. Dies legt zumindest eine Studie nahe, nach der die befragten Branchenvertreter dem Konzept der Massendatenauswertung eher reserviert gegenüberstehen.

 

Als Big Data werden solche Daten bezeichnet, die zu umfangreich sind, sich zu stark unterscheiden oder sich zu schnell ändern, um mit gängigen Verfahren aufbereitet zu werden. Im weiteren Sinne umfasst das Schlagwort Big Data auch all jene Prozesse, mit denen sich solche umfassenden Datensammlungen auswerten lassen. Die Daten können dabei prinzipiell aus jeder beliebigen Quelle stammen. In letzter Zeit gibt es einen gewissen Hype um das Thema.

Big Data erst in sechs Jahren voll nutzbar

Nach einer Studie des Competence Center Process Management Real Estate (CC PMRE) erwarten die befragten Fachleute insgesamt einen geringen Einfluss von Big Data auf die Immobilienbranche und nur eine allmähliche Änderung ihrer Geschäftsmodelle. Potenzielle Anbieter von Datensätzen sehen die Immobilienprofis vor allem außerhalb ihrer eigenen Branche, als größte Profiteure solcher Daten gelten Fondsgesellschaften und Bestandshalter. Bis zur vollständigen Nutzbarkeit von Big Data werden nach Ansicht der Befragten aber noch gut sechs Jahre vergehen.

Die größten Vorteile aus Massendaten vermuten die Immobilienexperten in den Bereichen Strategieentwicklung, Verbesserung von Ankaufsentscheidungen und geringeren Bewirtschaftungskosten. Die notwendigen Investitionen zur Umsetzung eines Big-Data-Konzepts im eigenen Unternehmen veranschlagen die Befragten im Schnitt auf rund 1 Millionen Euro.

Big Data nur ein Marketing-Gag der IT-Branche?

Nur an zwei Arten von Datensätzen scheinen die Immobilienprofis jedoch wirklich interessiert zu sein: Marktmieten und Kaufpreise von Immobilien. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass diese Aussage in auffallendem Widerspruch zur aktuellen Euphorie um das Thema Big Data steht und auch nicht zur zuvor genannten Bereitschaft der Immobilienmanager passt, hohe Investitionen zur Implementierung von Big Data zu tätigen.

Damit befindet sich die Immobilienbranche in einem Schwebezustand: Einerseits wird Big Data als Heilmittel gepriesen, um strategische Entscheidungen zu erleichtern, andererseits gilt es vielen als ein Marketinggag der IT-Branche. Als häufigste Argumente für das Misstrauen werden mangelnde Datenstandards oder fehlende technische Möglichkeiten genannt. Bevor die Immobilienwirtschaft sich keine Gedanken macht, welche Fragen sie überhaupt beantwortet haben möchte, wird sich nicht sagen lassen, so die Studienautoren, ob Big Data ihr dabei helfen kann.

 

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