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Proptechs: Umarmen, statt Angst davor haben

Ulrich Schüppler
Fachredakteur Immobilien Zeitung

Die Zahl technologiegetriebener Startups mit Immobilienbezug wächst weiter. Die etablierten Immobilienunternehmen unterstützen über Förderpreise und Mentorenprogramme die Neueinsteiger kräftig. Sie versuchen, die Proptechs im Blick zu behalten, damit die ihnen nicht ihre Geschäftsmodelle torpedieren.

 

Viel hat sich im ersten Halbjahr 2017 getan in der deutschen Proptech-Szene. Die Anzahl junger Unternehmen, die mit technologiegetriebenen Geschäftsmodellen die Immobilienbranche revolutionieren wollen, ist weiter gestiegen. So waren Ende vergangenen Jahres knapp 150 Proptechs in Deutschland aktiv. Der Branchenblog Gewerbe-Quadrat zählte im Mai bereits 169 Proptechs, der von Maklaro-Geschäftsführer Nikolai Roth betriebene Blog Proptech.de kam zur gleichen Zeit auf eine ähnliche Zahl junger Technologieunternehmen mit Immobilienbezug. Die Ende des Jahres von einigen Branchenbeobachtern befürchtete Bereinigung bei den Vermietungs- und Verkaufsportalen (einschließlich temporärer Vermietung) ist bisher ausgeblieben. Langfristig ist jedoch damit zu rechnen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt.

Auswertung von Daten als Wettbewerbsvorteil der „jungen Wilden“

Umgekehrt müssen beispielsweise Vermieter wie Wohnungsunternehmen auf der Hut sein vor den „jungen Wilden“. Ungemach droht beispielsweise durch Anbieter sogenannter Mehrwertdienste, die dem Mieter per Smartphone-App etwa ermöglichen, seine privaten Dokumente zu verwalten, mit dem Vermieter zu kommunizieren oder Energieverbraucher in der Wohnung fernzusteuern. Dabei besteht die Gefahr, dass der App-Hersteller durch den entstehenden Datenverkehr irgendwann mehr über das Nutzerverhalten weiß als der Vermieter.

Die Auswertung solcher Massendaten (Big Data) könnte nach Ansicht von Branchenexperten über den langfristigen Erfolg von Geschäftsmodellen entscheiden. Denn die momentan stattfindende digitale Transformation sei grundsätzlicher als die bisherigen IT-Wellen. Sie habe in Branchen wie dem Buchhandel oder dem Taxigeschäft bereits gezeigt, dass digitale Neueinsteiger traditionellen Geschäftsmodellen sehr gefährlich werden können, sobald sie entscheidende Informationen über die Wünsche und Vorlieben der jeweiligen Kunden gesammelt haben. Sie könnten dann Dienstleistungen anbieten, an die die Etablierten bis dahin gar nicht gedacht haben.

Die Player setzen auf eine Umarmungsstrategie

Doch die großen Immobilienunternehmen, etablierten IT-Dienstleister und bekannten Finanzierer setzen mittlerweile auf eine Umarmungsstrategie. Die Liste der Sponsoren der im vergangenen halben Jahr vergebenen Gründerpreise und anderer Initiativen liest sich wie ein Who-is-Who der Immobilienzunft. Über eigene Branchentreffs verschaffen die Etablierten den Jungunternehmen dabei wichtige Geschäftskontakte und behalten gleichzeitig selbst den Überblick über das schnelllebige Universum der Proptechs.

 

Startups und Technologieunternehmen auf der EXPO REAL

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