Mietpreise in Großstädten wie Berlin schießen in die Höhe. Foto: JuliusKielaitis / Shutterstock. Mietpreise in Großstädten wie Berlin schießen in die Höhe. Foto: JuliusKielaitis / Shutterstock.

Neue Wohnungen braucht das Land

Stephanie von Keudell
Stephanie von Keudell
freie Journalistin

Unter dem Motto „WIDERSETZEN – Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ zogen am 14. April Demonstranten in Berlin vom Potsdamer Platz nach Kreuzberg und Schöneberg, um gegen den Anstieg der Wohnungsmieten in der Hauptstadt zu protestieren. Sie forderten einen „radikalen Kurswechsel in der Wohnungs- und Mietenpolitik“ und eine Abkehr vom Geschäftsmodell Wohnen, vom Wohnungsneubau aus Renditegesichtspunkten.

Tatsächlich haben die Berliner Mieten, besonders in den angesagten Kiezen, nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf in den letzten Jahren begonnen, auf Großstadtniveau aufzuschließen – wobei sie vom Preisniveau beispielsweise in Paris oder London noch himmelweit entfernt sind.

 

Neubauziele scheitern an zu wenigen Baugenehmigungen

Ist Wohnraum in den angesagten Innenstadtvierteln also tatsächlich mittlerweile, wie von den Initiatoren der Demo behauptet, „unbezahlbar“? Ganz offensichtlich nicht, denn all die mehr oder weniger luxuriös sanierten Wohnungen stehen nicht leer, sondern finden reißenden Absatz. Sie sind also sehr wohl bezahlbar, aber nicht von jedem. Gerade Familien mit durchschnittlichem Einkommen können sich Wohnraum nur noch in weniger begehrten Außenbezirken leisten.

Abhilfe schaffen kann nur eine energische Ausweitung der Neubauaktivitäten, doch danach sieht es gerade nicht aus: Zwischen Januar und November 2017 wurden weniger Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als im Vorjahreszeitraum. „Das angekündigte Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen in den nächsten vier Jahren wirkt vor diesem Hintergrund utopisch“, mahnt Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss.

 

Junge Menschen schrecken vor enormen Investitionen beim Eigenheimbau zurück

Wer soll die so dringend benötigten Wohnungen bauen? Wenn es nach den Demonstranten geht, kommen Investoren auf Renditesuche nicht in Frage, am Wohnen soll ja nichts verdient werden. Warum also nicht die Wohnungssuchenden selbst? In Sachen Wohneigentumsquote liegt Deutschland traditionell im europäischen Vergleich weit hinten. Dies liegt nicht zuletzt an dem dichten Netz von kostenträchtigen Regelungen, die den Wohnungsbau hierzulande empfindlich verteuern: „1990 gab es in Deutschland rund 5.000 Bauvorschriften, heute sind es über 20.000“, erklärt Mattner. In begehrten Lagen sind außerdem Baugrundstücke knapp und deshalb teuer – Gerade junge Menschen werden mit den deshalb hohen Eigenkapitalforderungen beim Eigentumserwerb ausgebremst, gibt Jacopo Mingazzini, Vorstandsvorsitzender der ACCENTRO Real Estate AG, zu bedenken. Vor denselben Problemen stehen die Kommunen bei der oft geforderten Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus: Auch sie können sich weder der Grundstücksknappheit noch den geltenden Bauvorschriften entziehen, so dass zu bezweifeln ist, ob sie deutlich günstiger als private Investoren zu bauen imstande wären. Die regelmäßig beobachtbare Kostenentwicklung öffentlicher Bauvorhaben trägt darüber hinaus nicht gerade zum Glauben an Baukostenvorteile gegenüber privaten Projekten bei.

Der ZIA fordert deshalb die zügige Bereitstellung günstigen Baulands, schnellere Genehmigungsverfahren, niedrigere Grunderwerbsteuersätze und einen Abbau der Bürokratie, um den Wohnungsbau anzukurbeln.

Doch auch wenn all das rasch umgesetzt wird, muss jedem Wohnungssuchenden klar sein, dass etwa der Prenzlauer Berg nicht für jeden Interessenten Platz hat.

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