Expo Real: Jahresausblick 2018 Expo Real: Jahresausblick 2018

Jahresausblick: Was passiert 2018 in der Immobilienbranche?

Der Immobilienmarkt entwickelt sich rasant: Digitaler Fortschritt, Developing Markets sowie ein Umdenken im Einzelhandel sind nur einige Themen, die den Real-Estate- und Investment-Sektor 2018 prägen. Auch dieses Jahr haben wir Branchengrößen nach ihren Zukunftsaussichten gefragt. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Blättern, Kommentieren und Teilen!

Heike Gündling

COO, Architrave GmbH

 

„Digitalisierung [...] ist weder eine Eintagsfliege noch ein Schreckgespenst“

 

Was bewegt Sie und was bewegen Sie 2018?

Das Immobilienjahr 2018 wird von einem ungebrochenen Aufwärtstrend – v.a. im Transaktionsumfeld - geprägt sein, wovon wir als Datenmanager der Branche selbstverständlich ebenfalls stark beeinflusst werden. Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist weder eine Eintagsflie­ge noch ein Schreckgespenst. Zahlreiche, in den vergangenen Jahren erfolgreich eingesetzte und mittlerweile etablierte Produkte der digitalen Wirt­schaft konnten die Sorgen und Bedenken in der Immobilienbranche weitgehend zerstreuen, wenngleich sich noch viele Player bei der konkreten Umsetzung schwertun. Gerade für den Bereich des Daten­managements, das hierbei eine zentrale Rolle spielt, gibt es bereits ausgereifte digitale Lösungen. Eine der wesentlichen Aufgaben in 2018 muss daher sein, Immobilienunternehmen aktiv bei der Entwicklung und v.a. auch bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie zu begleiten. Die Immobilienbranche verfügt hier im Vergleich zu zahlreichen anderen Industrien, national wie international, noch über erhebliches Entwicklungspotential.

 

Prof. Lorenz Reibling

Chairman and Senior Partner, Taurus Investment Holdings, LLC

 

„Weniger Geld wird aus den USA in europäische Immobilien fließen.“

 

Was bewegt Sie und was bewegen Sie 2018?

Die US-Steuerreform, die durch beide Häuser des Kongresses gepeitscht wurde, ist wirklich „sehr massiv“. Auf der EXPO REAL 2016 sagte ich voraus, dass diese Steuersenkungen zu einem Feuerwerk an der Börse führen, aber mittelfristig eher dämpfende Auswirkungen auf den Immobilienmarkt in den USA haben werden. Eine Ausnahme von dieser Einschätzung wird der Mietwohnungssektor sein. Weniger Geld wird aus den USA in europäische Immobilien fließen, Preiserhöhungen werden sich einpendeln oder vorbei sein.
Immobilien in einigen Teilen der Welt werden jedoch gedeihen. Leider sind die meisten Schwellenländer aber sehr schwer zugänglich und/oder unverhohlen korrupt. Angesichts der dramatischen Veränderungen im Streben nach Transparenz und Vereinfachung sowohl des Steuer- als auch des Bankensystems könnte Indien die beste Wahl sein. Der Hauptvorteil ist jedoch die große Zahl von Sekundärmärkten, die in praktisch allen Anlageklassen un(ter)entwickelt sind. Mit Ausnahme von China hat kein anderes Land so viele Städte mit 1 bis 2,5 Millionen Einwohnern. Indien ist heute die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt mit einer jährlichen Wachstumsrate von 5 bis 7 Prozent.

 

Dr. A. Stefan Kirsten

CFO, Vonovia SE

 

„Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage für Wohnraum in den Städten wird weiter aufgehen.“

 

Was bewegt Sie und was bewegen Sie 2018?

Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage für Wohnraum in den Städten wird weiter aufgehen. Die Exekutive und insbesondere die Bundespolitik handeln hier zu langsam. Dies heizt den Markt noch mehr an. Umfassende, schnell und gemeinsame Lösungen sind gefragt.

Wir möchten den Neubau ankurbeln, um mindestens 2.000 Wohnungen im Jahr zu bauen. Wir haben ein umfassendes Investitionsprogramm und das bedarf einer adäquaten Finanzierung.

 

Alexander Otto

CEO, ECE Projektmanagement GmbH

 

„Das Wachstum im Online-Handel bleibt für alle stationären Händler eine Herausforderung.“

 

Was bewegt Sie und was bewegen Sie 2018?

Das Wachstum im Online-Handel bleibt für alle stationären Händler eine Herausforderung. Ich hoffe, dass die Konsumenten dem klassischen Einzelhandel und den Shopping-Centern weiter treu bleiben – denn sie bieten eine einzigartige Atmosphäre, Service und Beratung, spannende Gastronomie-Konzepte und viele Events und Aktionen. Des Weiteren wird es spannend, wie sich der Immobilienmarkt und die Zinsen entwickeln. Es wäre schön, wenn wieder ein paar Center oder Center-Portfolios auf den Markt kämen, die für den ECE-Fonds interessant sind.

Wir beginnen in zahlreichen Centern Refurbishments – gerade haben wir unser „At your Service“-Programm gestartet, mit dem wir über die nächsten Jahre 160 Millionen Euro in neue Services und Modernisierungen investieren werden. Etwa 60 Center werden in einem ersten Schritt davon profitieren – mit neuen Lounge-Bereichen, attraktiveren Parkhäusern und neuen digitalen Services. Im Entwicklungsgeschäft boomt der Logistik- und Hotelbereich: Für Hermes starten wir die Realisierung der nächsten Projekte aus einer Serie von neun Logistik-Centern, und in Hamburg entwickeln wir ein großes Kongresshotel in der HafenCity.

 

Prof. Dr. Michael Voigtländer

Leiter des Kompetenzfelds Finanz- und Immobilienmärkte, Institut der deutschen Wirtschaft

 

„2018 könnten wichtige Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden.“

 

Was bewegt Sie und was bewegen Sie 2018?

2018 wird ein spannendes Jahr für die Immobilienwirtschaft. Die sehr guten Rahmenbedingungen aus robuster Konjunktur, starker Zuwanderung und Niedrigzinsen werden sich langsam eintrüben, was die Preisdynamik abschwächen wird. Einen Crash erwarte ich jedoch nicht. Noch wichtiger sind aber die politischen Rahmenbedingungen: Welche Akzente wird die neue Bundesregierung setzen? Mehr Förderungen, wie etwa höhere Abschreibungen und eine neue Eigenheimförderung, oder mehr Regulierungen? 2018 könnten wichtige Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden.

Natürlich werde ich die Wohnungspolitik aufmerksam verfolgen und mich an passenden Stellen weiter einmischen und eigene Vorschläge einbringen. Darüber hinaus werde ich mich mit meinem Team aber auch vermehrt den Gewerbeimmobilien widmen. Was bedeutet die Zuwanderung für den Einzelhandel? Droht bei Büroimmobilien eine spekulative Übertreibung? Hier gibt es noch viel Forschungsbedarf.

 

Dr. Lutz Aengevelt

Geschäftsführender Gesellschafter, AENGEVELT IMMOBILIEN GmbH & Co. KG

 

„Der Immobilienmarkt präsentiert sich mit lehrbuchhaftem Verhalten.“

 

Was bewegt Sie und was bewegen Sie 2018?

Der Immobilienmarkt präsentiert sich mit lehrbuchhaftem Verhalten: Die Anzahl der Verkaufsobjekte nimmt zu. Der Grund: Die auf den Grundstückshandel spezialisierten Marktteilnehmer glauben überwiegend, dass der Scheitelpunkt der Preisentwicklung überschritten ist. Wir spüren das durch vermehrte Angebote.

Dabei ist anzumerken, dass ein steigender Teil der Angebote technisch anspruchsvoll ist und der kritischen Überprüfung bedarf. Die materielle Bewertung erledigen unsere Spezialisten überwiegend vor der Transaktion zusammen mit ausgewählten Partnern und versierten Experten wie dem TÜV Rheinland.

Die finanzierenden Banken schätzen die Marktentwicklung genauso ein und schauen kritisch auf Substanz, Nachhaltigkeit der Mietverträge, verlangen zunehmend wegen der anhaltend niedrigen Zinsen steigende Tilgungsleistungen und verringern damit ihr Risiko-Engagement.

Susanne Bonfig

Head of Real Estate, Office & Industrial, Commerz Real AG

 

„Fläche ist nicht mehr einfach nur Fläche.“

 

Was bewegt Sie und was bewegen Sie 2018?

Die Digitalisierung verändert die Geschäftsmodelle unserer Kunden tiefgreifend und beeinflusst nachhaltig unsere Vermietungstätigkeit.
Fläche ist nicht mehr einfach nur Fläche, der Anmietung gehen vielfältige Überlegungen voraus. Das Büro reflektiert die Unternehmensstrategie, macht die Unternehmenskultur erlebbar. Es ist Begegnungsstätte für Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner. Das Büro soll positiv zum Unternehmenszweck beitragen. Gleichzeitig darf die funktionale Betrachtung nicht zu kurz kommen, die Kosten sind ein wichtiger Faktor. Es steht auch die Frage im Raum, wie Verträge so flexibel gestaltet werden können, dass sie entsprechend dem Bedarf „atmen“ können.
Wir betrachten intensiv, wie wir unseren Kunden helfen können, ihren Bedarf zu erfüllen. Wir schauen, wie wir unsere Immobilien entsprechend den veränderten Anforderungen anpassen können – und welche Immobilien wir in Zukunft managen wollen.

Für das Jahr 2018 haben wir uns das Ziel gesetzt, mehr Zeit für unsere Mieter freizuräumen.

 

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