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Supermärkte wie Lidl sind immer häufiger im Immobiliengeschäft aktiv. Supermärkte wie Lidl sind immer häufiger im Immobiliengeschäft aktiv.

Interview: „Wohnen überm Supermarkt“: Die Immobilienvisionen von REWE, Lidl & Co.

Stephanie von Keudell
Stephanie von Keudell
freie Journalistin

Supermärkte steigen immer häufiger ins Immobiliengeschäft ein. Wohin sich der Trend „Wohnen überm Supermarkt“ entwickelt, erklären Stephan Koof, Bereichsleiter Expansion Handel bei der Rewe Group, und Alexander Thurn, Geschäftsleitung Immobilien bei Lidl Deutschland, im Interview mit Stephanie von Keudell.

 

Mietobjekte über Supermärkten: Für REWE und Lidl seit langem ein Thema

 

Wie sieht Rewe den Trend „Wohnen über dem Supermarkt“?

Stephan Koof: Die Rewe Group macht das schon immer, gerade in Großstädten wie Berlin. Bisher allerdings, da der größte Teil unseres Bestandsnetzes in Mietobjekten liegt, in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Vermieter. Auf Bestandsobjekten Wohnungen zu bauen ist in aller Regel aus statischen Gründen unmöglich, deshalb stellt sich uns das Thema vor allem bei Neubauprojekten.

Seit einigen Jahren entwickelt die Rewe Group für REWE und PENNY auch eigene Objekte und kann die Kombination aus Einzelhandel und Wohnen somit selbst steuern.

 

Seit wann ist „Wohnen überm Supermarkt“ ein Thema für Lidl?

Alexander Thurn: Wir beschäftigen uns bereits seit einiger Zeit mit der Frage, wie neue Filialen in dichtbesiedelten Städten mit knappen Flächen realisiert werden können. In solchen Lagen kann es plausibel sein, in die Höhe zu bauen. Das haben wir bereits an über 10 Objekten, beispielsweise in Stuttgart und in Berlin am Prenzlauer Berg getan.

 

Mietprojekte mit Kommunen, Partnern und in Eigenregie

 

Sind Sie bei diesen Projekten als Einzelkämpfer unterwegs oder setzen Sie auf Partner?

Koof: In aller Regel entstehen diese Projekte in einer Partnerschaft, entweder mit Hotel- oder mit Wohnungsprojektentwicklern. Unsere Partner kennen ihren Markt, den Bedarf, die Möglichkeiten. Nahezu immer sind auch die jeweiligen Kommunen eingebunden: Häufig sind es ihre Zielvorstellungen über die Entwicklung des jeweiligen Stadtteils, die zur Entstehung solcher Projekte führen.
Die Motivation für derartige Projekte sind nicht selten in baurechtlichen Restriktionen zu sehen, die großflächige Märkte in städtischen Lagen erschweren. Durch den Überbau mit Wohnungen entsteht eine Win-Win-Situation für die Kommune, den Wohnungs-Bauträger (Wohnungen im Erdgeschoß sind schwer zu vermarkten und zu vermieten) und für uns. Es kann jedoch auch umgekehrt der Betreiber eines geplanten Budget-Hotels auf uns zukommen, weil er eine Nutzung für die Flächen im Erdgeschoß sucht, die als Hotelzimmer nur schwierig zu vermarkten sind.

 

 

Thurn: Sowohl als auch – das hängt vom Projektumfang und auch vom Nutzungsspektrum, zum Beispiel Wohnungen, Studentenapartments, Betreutes Wohnen, Kindertagesstätte oder Hotel, ab. Einige Objekte halten wir im Bestand und vermieten sie selbst, sehr große Objekte oder Sonderprojekte entwickeln wir auch gerne mit Partnern und verkaufen sie nach erfolgter Baugenehmigung oder nach Fertigstellung. Wir agieren diesbezüglich individuell auf den jeweiligen Standort bezogen.

 

Niemand baut seine Traumvilla freiwillig auf einem Supermarktdach. Wir […] können uns über Studentenapartments, Hotels bis hin zu Seniorenheimen oder Anlagen für Betreutes Wohnen vieles vorstellen, je nach Standort.

– Stephan Koof 

 

Chancen und Grenzen der Supermarkt-Wohnungen

 

Welche Marktsegmente kommen in Frage?

Koof: Notwendig sind solche Projekte in erster Linie in größeren und Großstädten mit Nachfrageüberhang nach Wohnraum. Machen wir uns nichts vor: Niemand baut seine Traumvilla freiwillig auf einem Supermarktdach. Wir kaprizieren uns deshalb nicht auf die Standard-Dreizimmerwohnung, sondern können und über Studentenapartments, Hotels bis hin zu Seniorenheimen oder Anlagen für Betreutes Wohnen vieles vorstellen, je nach Standort.

 

Welche Standorte sind besonders attraktiv?

Koof: Grundsätzlich ist das Konzept für innerstädtische Standorte mit Wohnungsknappheit geeignet. Allerdings kommen auch weniger zentrale Standorte mit guter Anbindung an den ÖPNV in Frage, wenn beispielsweise an einem Messestandort ein Hotel über dem Supermarkt entwickelt wird. Durch die unterschiedlichen Marktgrößen in unserer Gruppe, die bereits ab 500 Quadratmetern beginnen, können wir attraktive Lösungen für ganz unterschiedliche Standorte entwickeln.

 

So bleibt „Wohnen überm Supermarkt“ ein hochspezialisiertes Modul für die Expansion in Ballungsräumen.

– Alexander Thurn

 

Wo liegen die Grenzen dieses Konzepts?

Thurn: Generell sind wir Lebensmitteleinzelhändler aus Leidenschaft, und der Ausbau der Nahversorgung für unsere Kunden hat oberste Priorität. Unser „Metropolkonzept“ funktioniert deshalb nicht überall, sondern ist eine sehr spezielle Lösung für einzelne Standorte in dichtbesiedelten Stadtteilen von Metropolen mit Flächen- und Wohnungsknappheit. Das Konzept ist anspruchsvoll und muss baurechtlich und bautechnisch höchsten Anforderungen genügen, um den unterschiedlichen Interessen von Einzelhandel, etwa bei Anlieferung oder Parkraum, und Anwohnern, beispielsweise in Bezug auf Nachtruhe, gerecht werden zu können. So bleibt „Wohnen üerm Supermarkt“ ein hochspezialisiertes Modul für die Expansion in Ballungsräumen.

Der Einzelhändler REWE konzipiert Neubauten in der Regel in Kooperation mit Kommunen und Wirtschaftspartnern.

Der Einzelhändler REWE konzipiert Neubauten in der Regel in Kooperation mit Kommunen und Wirtschaftspartnern.

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