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Innovation in der Immobilienbranche: mehr als Digitalisierung und PropTech

Dr. Thomas Herr, EMEA Head of Digital Innovation, CBRE GmbH
Dr. Thomas Herr
EMEA Head of Digital Innovation

Wer sich heute mit dem Thema Innovation in der Immobilienbranche beschäftigt, wird schnell feststellen, dass sich die Diskussion auf zwei Themen reduziert: Digitalisierung und Property-Technology-Start-ups. Diese Reduktion ist bedauerlich, da dabei weitere Aspekte wie Geschäftsmodellinnovationen oder soziale Innovationen ausgeblendet werden. Die Frage, wie in Traditionsunternehmen innoviert wird, erhält dadurch nicht die notwendige Aufmerksamkeit.

Doch dessen ungeachtet ist es gut und dringend notwendig, dass Technologieenthusiasten in global ca. 7.000 jungen Unternehmen unsere traditionelle Branche in Schwung bringen, uns alle über Veränderungen nachdenken lassen und diese in Gang setzen. Auch der Branchenverband ZIA hat reagiert und auf Anregung seines Innovationsbeirats einen Digitalisierungsausschuss gegründet, der sich systematisch mit den Fragen der digitalen Transformation auseinandersetzt. Dabei wurden drei wesentliche Handlungsfelder identifiziert: der Umgang mit Daten, die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen und – wahrscheinlich das herausforderndste Feld – die Entwicklung des Mindsets der Mitarbeiter.     

 

Punkt eins: Wie können wir den Umgang mit digitalen Daten verbessern?

 

Daten werden gerne als das Öl der digitalen Wirtschaft bezeichnet. Aber wie werden diese in der Immobilienbranche gefunden, gefördert, raffiniert, verteilt und mit wirtschaftlichem Ergebnis genutzt? Welche Datenpunkte müssen Informationen liefern? Wie lassen sich diese Dateien speichern und aufbereiten, ohne dass Abstriche in puncto Sicherheit oder Kompatibilität gemacht werden müssen? Hier bestehen aktuell noch große Hürden: anstatt wichtige Daten allen Beteiligten zugänglich zu machen, Standards und Schnittstellen zu schaffen, herrscht häufig die Mentalität, dass das Horten und die exklusive Nutzung von Daten das bessere wirtschaftliche Ergebnis erzielen. Doch nicht nur das, oft fehlt auch noch die Idee, der Business Case, wie die Daten tatsächlich einen Wert bekommen.

 

Punkt zwei: Wie lassen sich digitale Geschäftsmodelle entwickeln?

 

Das führt uns zum zweiten Punkt: wie und in welchen Segmenten der komplexen Wertschöpfungskette der Immobilienbranche können digitale Geschäftsmodelle entwickelt werden? Dabei kommen sowohl eine Weiterentwicklung bestehender Modelle in Frage als auch die Gründung völlig neuer. Digitale Geschäftsmodelle zeichnen sich insbesondere durch Skalierbarkeit und ein virtuelles Leistungsversprechen aus, was ihre Entwicklung im Immobilienbereich limitiert. So sind es am Ende häufig individuelle Gebäude an einem konkreten Ort, die mindestens einen Teil des Leistungsversprechens erfüllen. Ein zunehmend wichtiger Punkt ist die Frage nach der Kundenorientierung. Die Branche ist gerade dabei, den Kunden hinter dem Mieter zu entdecken. Digitale Technologien erzeugen und unterstützen diesen Trend, indem sie uns ermöglichen, individuelle Bedürfnisse zu erkennen und auf eine ökonomisch sinnvolle Art und Weise zu befriedigen.

 

Punkt drei: Wie gelangen wir von der traditionellen Denkweise zum Digital Mindset?

 

Trotz der rasanten Entwicklung moderner Technologien hängt der Erfolg oder Misserfolg der digitalen Innovation vom Menschen ab. Die Mitarbeiter müssen bereit und in der Lage sein, neue Technologien einzusetzen und prozessuale Veränderungen als positive Entwicklung zu akzeptieren. Die Tatsache, dass sich so viele Unternehmen bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle schwertun, hängt maßgeblich mit der traditionellen Denkweise zusammen. Diese zu ändern, ist wohl die größte Herausforderung für Innovation in der Immobilienbranche und die digitale Transformation. Zu einem gesunden „Digital Mindset“ gehört eine Innovationskultur, die das Prinzip Trial-and-Error ermöglicht – ebenso wie Agilität, Anpassungsfähigkeit und sogenannte DevOps, also die konstante Weiterentwicklung der bestehenden Produkte im laufenden Betrieb.

 

Fazit: Innovationskraft in der Immobilienbranche entfesseln

 

Die traditionellen Unternehmen innerhalb der Immobilienbranche sollten sich nicht nur mit den rein technischen, sondern auch mit den strukturellen und kulturellen Hürden auseinandersetzen, die die eigene Innovationskraft bremsen. Die aktuelle Marktsituation, das Beharrungsvermögen eingespielter Marktmechanismen und die vorhandenen Ressourcen verschaffen ihnen derzeit vielleicht noch einen Vorteil gegenüber den jungen PropTechs und anderen Wettbewerbern, die nicht die Last der Tradition zu tragen haben. Dieser Vorteil wird sich in den kommenden Jahren durch weitere technologische Entwicklungen jedoch relativieren.  Aktuelle Tendenzen in der Nachfrage weisen eindeutig auf sich wandelnde Nutzeranforderungen hin, die sehr viel mehr Dynamik, Flexibilität und Individualität erfordern.

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