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Immobilienwirtschaft im Fokus des Bundestagswahlkampfes

Dr. Andreas Mattner
Dr. Andreas Mattner
Präsident des ZIA

In sämtlichen Wahlprogrammen der deutschen Parteien stehen Wohnimmobilien zulasten von Wirtschaftsimmobilien im Fokus. Ein Fehler, denn Städte müssen auch Platz zum Arbeiten und Versorgen bieten. Ein Beitrag von Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA).

 

Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Doch nicht alle Themen werden bereits in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Viele Themen, die insbesondere die Immobilienwirtschaft betreffen, verstecken sich in den Wahlprogrammen oder gar in den Köpfen der Wahlkampftreibenden. Wenngleich die Immobilienbranche in diesem Jahr durchaus im Fokus des Wahlkampfes steht, blieb die Haltung einiger Parteien zu bestimmten immobilienpolitischen Aspekten bislang im Dunkeln. Dabei spielen diese Themen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes und damit auch für die Entscheidung am Wahltag eine wesentliche Rolle. Aus diesem Grund hat das IW Köln im Auftrag des ZIA die Wahlprogramme der großen Parteien untersucht.

Fokus der Parteien auf Wohnimmobilien

In sämtlichen Wahlprogrammen fällt leider auf, dass Wohnimmobilien zulasten von Wirtschaftsimmobilien im Fokus stehen. Vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Stadtentwicklung sei das ein schwerwiegender Fehler. Unsere Städte sollen nicht nur Platz zum Wohnen, sondern auch zum Arbeiten und Versorgen bieten. Dazu ist es wichtig, dass der Gesetzgeber auf alle Nutzungsarten der Immobilienwirtschaft achtet. Leider sind viele Ideen der Parteien aber nur auf das Wohnungssegment ausgerichtet. So ist jeder dritte erwerbstätige Deutsche auch Büronutzer, jeder Bewohner von Städten und Gemeinden versorge sich über Handelsflächen oder per City-Logistik. Die wirtschaftliche Stärke unserer Städte beruht auf der gesamten Immobilienwirtschaft. Die Wertschöpfung wird in Flächen zum Arbeiten und Versorgen vorangetrieben.

Wirtschaftlichkeitsgebot und Technologieoffenheit für den Klimaschutz

Beim Themenfeld Klimapolitik leisten verschärfte Bauanforderungen nur einen geringen Beitrag zur Energieeffizienz, belasten aber die dringend benötigten Investitionen in den Bestand und in die Bautätigkeit. Im Vergleich der parteipolitischen Positionen fällt auf, dass einzig die FDP der Aussage zustimmt, dass die aktuellen baulichen Auflagen zum Klimaschutz ausreichend sind und eine weitere Verschärfung nicht sinnvoll ist. Die CDU/CSU stellen fest, dass staatliche dirigistische Eingriffe nicht zielführend sind und wollen nach eigenen Aussagen auf marktwirtschaftliche Anreize setzen. Zudem befürworten nahezu alle Parteien eine Förderung der energetischen Gebäudesanierung, wenngleich Die Linke diese jedoch in Abhängigkeit zu einer regenerativen technischen Gebäudeausstattung stellt.

Eine nochmalige Verschärfung der EnEV kann sich der Standort Deutschland nicht leisten. Dabei geht es nicht nur um Wohngebäude, sondern natürlich auch um Wirtschaftsimmobilien. Die letzte Verschärfung hat bereits zu einer erheblichen Steigerung der Herstellungskosten geführt. Angesichts noch immer angespannter Immobilienmärkte in Großstädten und Ballungsregionen wäre dies fatal. Hier muss die Politik reagieren. Nur unter dem Wirtschaftlichkeitsgebot und der Technologieoffenheit kann die Immobilienwirtschaft ihren Beitrag zu den ambitionierten Klimazielen von Paris erreichen.

Wahlforderungen im Immomat aufgelistet

Der ZIA und die Immobilien Zeitung haben die Wahlforderungen der Parteien übersichtlich für den Immomat aufgearbeitet. Dort können Nutzer 32 Fragen beantworten und anschließend sehen, welche Parteien ihren Ideen am häufigsten entsprechen.

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