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„Was machen wir eigentlich, wenn jetzt keiner kommt?“ – 20 Jahre EXPO REAL

Andreas Schiller
Andreas Schiller
Geschäftsführer Schiller Publishing House

Ein Rückblick

Die EXPO REAL ist mit ihren mittlerweile rund 2.000 Ausstellern und mehr als 41.500 Teilnehmern ein echter „Blockbuster“. Ein Rückblick auf die bewegte Messe-Geschichte von Andreas Schiller, EXPO REAL-Mitgestalter der ersten Stunde.

Als 1998 die erste EXPO REAL stattfand, war vieles ganz anders. Die Veranstaltung ging noch im Stadtteil Freimann im MOC Veranstaltungscenter über die Bühne und von den deutlich kleineren Hallen belegte sie auch nur eine. Entsprechend überschaubar war die Veranstaltung. Bis jetzt blieb bei mir der Satz haften, den Eugen Egetenmeir, damals stellvertretender Geschäftsführer und von 2010 bis 2014 Geschäftsführer der Messe München, am 8. Oktober 1998 morgens um 8.15 Uhr sagte, als wir beide am Eingang standen: „Was machen wir eigentlich, wenn jetzt keiner kommt?“ Bei inzwischen gut 41.000 Teilnehmern stellt sich diese Frage nicht mehr. Aber auch schon bei der zweiten EXPO REAL strömten jeden Morgen mehr und mehr Besucher auf die Messe.

Eugen Egetenmeir und der frühere Messechef Manfred Wutzlhofer hatten die EXPO REAL auf den Weg gebracht. Aus der heutigen Besetzung des Fachbeirats waren bereits damals Lutz Aengevelt, Hartmut Bulwien, Peter Wasner, ehemals KGAL und heute Eiwobau München, Hans Schlamp von Accumulata Development, Kurt Kapp von der Landeshauptstadt München, Klaus Laminet von Investa und der Autor dieser Zeilen dabei. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch Chefredakteur der Zeitschrift Immobilien Manager. Diskutiert wurde in den ersten Sitzungen eifrig über das Konzept der neuen Messe. An ein Thema denke ich noch zurück: Zu Beginn wurde für die EXPO REAL mit dem Slogan „Die Nutzer-Messe“ geworben. Das legte sich später. Denn es kamen von Anfang an zwar auch Nutzer, aber eben nicht nur.

147 Aussteller auf der ersten EXPO REAL

Auf der ersten EXPO REAL vom 8. bis zum 10. Oktober 1998 kamen 147 Aussteller und 2.528 Fachbesucher zusammen. Schon damals präsentierten sich unter anderem Aengevelt, Corpus, KGAL, die Stadt Augsburg, Ellwanger & Geiger, die Bayerische Hausbau, die BayernLB, die Deutsche Bank Gruppe mit ihrem Geschäftsbereich Immobilien, Hannover Leasing, Investa, IVG, die Stadt Köln, Dr. Lübke Immobilien, die Landeshauptstadt und der Flughafen München. Als internationale Aussteller waren die Städte Lodz, Stettin und Bydgoszcz aus Polen, aus Österreich die Stadt Graz sowie Unternehmen aus Budapest, Pécs und Prag vertreten.

1999 kam erstmals die Stadt Moskau dazu, seinerzeit noch als „Das Moskauer Bodenkomitee“ und auf der Suche nach westlichen Investoren und Knowhow. Die Erstellung eines Katasters für die Metropole Moskau war damals das große Thema. In den ersten Jahren lud die Messe München noch zu einem Ausstellerempfang mit gesetztem Essen in die Residenz ein. Heute überbieten sich die Aussteller selbst mit allen möglichen Einladungen.

Von Moskau bis Nordamerika

Bis zum Jahr 2000 blieb die EXPO REAL im MOC und aus zunächst einer wurden drei Hallen. Im gleichen Jahr kam die heutige Projektleiterin Claudia Boymanns zur Messe München und löste den ersten Projektleiter Rolf Ludwig Schön ab. Meine erste Besprechung mit ihr war im Frühjahr 2001 im heute nicht mehr existierenden Café Roma an der Maximilianstraße in München, im Sommer folgte dann die erste gemeinsame Reise nach Moskau. Schließlich galt es den Auftritt der russischen Hauptstadt nach vorne zu bringen. Als quasi geopolitisches Gegengewicht veranstaltete auch damals schon Brad Olsen von Atlantic Partners den „American Afternoon“, der bis heute seinen angestammten Platz im Konferenzprogramm beibehalten hat.

DotCom, FinTech, Proptech – Digitalisierung ist kein neues Thema

Anfangs gab es im Konferenzprogramm genau zwei Foren: das EXPO REAL Forum – übrigens in einer runden Arena mit aufsteigenden Zuschauerreihen – und das Ausstellerforum. Heute sind es acht Foren mit mehr als 200 Veranstaltungen und 500 Referenten. Zu den Themen, die uns immer wieder begleiteten, zählten „Ich steig aus und mach ’ne eigene Show“, also Gründungen neuer Unternehmen durch ehemalige Mitarbeiter etablierter und großer Marktteilnehmer. Crowdfunding war genauso früh ein Thema wie die Nachhaltigkeit, oder „Black Swans“ und die damit verbundenen Einflüsse externer Faktoren auf Immobilien und Investments.

Aktuell spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Zunächst ging es auf der EXPO REAL um die damit verbundenen Veränderungen für den Handel. Aber auch über die aufkommenden FinTechs wurde vor Jahren schon unter dem Motto „Wozu brauchen wir noch Banken?“ diskutiert. Übrigens mit hochrangigen Repräsentanten von Banken, die heute noch alle auf dem Markt sind. Derzeit richtet sich der Fokus auf die PropTechs.

Hierbei fühlt sich mancher an die DotCom-Blase erinnert, die um die Jahrtausendwende vor allem das Börsengeschehen maßgeblich beeinflusste. Auch für die EXPO REAL blieb das nicht ohne Auswirkungen, die sich jedoch eher als förderlich erwiesen. Denn viele Anleger setzten wieder auf Sachwerte und die Immobilienwirtschaft florierte. Mit rund 850 Ausstellern beteiligen sich über ein Drittel mehr Unternehmen als 2000. Für sie standen auf der Neuen Messe München anfangs drei Hallen zur Verfügung, später wurden es schließlich sechs Hallen.

Auf dem Messegelände in München-Riem gab es immer wieder ganz unterschiedliche ‚Attraktionen‘. Mal drehte Russland das große Rad, mal gab es eine Sonderausstellungsfläche zu China. Sicherlich erinnern sich manche noch an Auftritte der besonderen Art. Hierzu gehörte der Stand der Hypo Real Estate, der mit plätscherndem Wasser umgeben war und sich nur über kleine Brücken betreten ließ. Nun gut, die Hypo Real Estate gibt es heute nicht mehr.

Immobilienwirtschaft profitierte am Ende von der Finanzkrise

Die Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 hinterließ auch bei der EXPO REAL Blessuren. Manch ein großer und sich oft selbst wichtig nehmender Marktteilnehmer verschwand oder zog sich zumindest als Aussteller zurück. Doch in der Gesamtheit – es mag zynisch klingen, ist aber nicht so gemeint – profitierte die Immobilienbranche und somit auch die EXPO REAL von der Finanzkrise. Denn Anleger entdeckten die Vorzüge von Investitionen in Sachwerte gegenüber reinen Finanzmarktprodukten. Mehr und mehr Anlagekapital stand zur Verfügung. Das ließ alle wieder euphorischer werden: vom Projektentwickler über Städte und Regionen, die sich im Wettbewerb für Standorte profilieren wollen, bis hin zu Dienstleistern, Finanzierern, Beratern und auch den Fachmedien. Ohne letztlich wirklich in der Krise gewesen zu sein, nahm auch die EXPO REAL aufs Neue schnell an Fahrt auf.

Internationalisierung und Digitalisierung sind zwei der Stichworte, die immer wieder fallen, wenn man mit Marktteilnehmern über die Veränderungen der Branche in den letzten 20 Jahren spricht. Häufig wird auch die deutlich gestiegene Professionalisierung genannt. Doch blickt man auf die Veränderungen in der Branche selbst, so ist in den zurückliegenden 20 Jahren vor allem die Immobilie selbst mehr und mehr zum handelbaren Gut geworden. Fand sich vor 20 Jahren noch häufig die „buy and hold“-Haltung, so nahm die Devise „buy and sell“, oft auch als aktives Portfolio oder Asset Management mit „transactions“ umschrieben, rasant zu. Noch nie drehte sich das Transaktionsrad so schnell wie heute.

Manfred Wutzlhofer, damaliger Chef der Messe München, eröffnet die EXPO REAL.

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