Baumhaus © Khakimullin Aleksandr/shutterstock.com

Zur Hölle mit den Gärten

Dr. Thomas Beyerle
Dr. Thomas Beyerle
Geschäftsführer von Catella Property Valuation GmbH

Die kreative Namensgebung bei Immobilien sieht häufig eher mau aus. Dabei begleitet der Name Immobilien wie Menschen meist lebenslänglich, irgendwo angesiedelt zwischen USP und Sozialprognose. Ein Plädoyer von Thomas Beyerle für mehr Originalität.

 

Deutschland ist Entwicklungsland, wenn es um die kreative Namensfindung von Standorten, Straßen und Immobilien geht. Standort- und Objekt-differenzierende Merkmale werden oftmals mehr nivelliert als herausgehoben. Dabei können Objektnamen Identifikation und damit Preispositionierung deutlich unterstützen, also wertschaffend sein. In den nächsten Jahren werden eine Vielzahl von Wohnbauprojekten im Mittelsegment auf den Weg gebracht. Und auch hier gilt: „Sag mir, wo du wohnst, und ich sag dir, wer du bist.“

Was es alles gibt – von Schlossallee bis Prügelweg

Spätestens seit Monopoly weiß jedes Kind, welche Straßen Erfolg versprechen: „Parkstraße“ und „Schlossallee“ natürlich. Was im Spiel so einfach funktioniert, wird derweil zwischen Flensburg und Garmisch so inflationär ausgerollt, dass die Imagewirkung verpufft. Fast jeder Ort in Deutschland hat eine „Gartenstraße“, einen „Birkenweg“ oder eine „Goethestraße“. Die Unterscheidung geht verloren. Ganze Neubaugebiete werden nach Malern, Blumen oder Weinlagen benannt – ohne lokale Bezüge. Skurrile Varianten sind auch „Prügelweg“, „Zur Hölle“, „Knochenmühle“, „Spannerweg“, „Mausegatt“ oder „Tangabucht“. In diesem Fall ist oft sogar ein Bezug da, der sich allerdings kaum mehr jemandem erschließt. Diversity ist auch ein wichtiger Aspekt, denn auf einen weiblichen Straßennamen kommen 14 Männernamen. Deshalb verbieten manche Städte bereits die Neuvergabe von Männernamen. Aktuelle Nummer eins auf der Wunschliste ist übrigens Elly Maria Frida Rosemeyer-Beinhorn, bekannt als Elly Beinhorn, die populäre Fliegerin.

Namen schaffen Werte

Besonders häufig findet man in Wohnprojekt-Beschreibungen der vergangenen fünf Jahre prunkvolle Titel wie „Palais“, „Terrassen“, „Höfe“ oder „Gärten“. Spitzenreiter ist „Palais“ – mit derzeit rund 82 Projektierungen. Wenn dann auch noch eine 90-jährige Eiche in einem Hinterhof in Berlin-Hohenschönhausen als Basis für ein identitätsstiftendes „Gärten“- Projekt (aktuell 62!) herhalten muss, darf die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Marketingansatzes gestellt werden.

Deshalb: Immobilienverantwortliche, seid kreativer! Marketingbudget und ein „ohnehin problemloser Verkauf aktuell“ entlassen Sie nicht aus der Verantwortung. Formen Sie durch harmonische Assoziationen einen positiven Charakter. Wer möchte nicht im „Französischen Palais“ am „Sonnenweg“ oder „An den sieben Bäumen“ wohnen? Denn: Ein guter Name ist Geld wert.

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