Kommen Wohnhochhäuser bald nach Deutschland? Foto: Serghei Starus / Shutterstock. Kommen Wohnhochhäuser bald nach Deutschland? Foto: Serghei Starus / Shutterstock.

Wohnhochhäuser – zwischen Metropolis, Blade Runner und Star Wars

Dr. Thomas Beyerle
Dr. Thomas Beyerle
Geschäftsführer von Catella Property Valuation GmbH

Wer je in New York, Singapur, Tokio, Sao Paulo oder Hongkong gelebt hat, wohnte mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit in einem Hochhaus. Eine Perspektive auch hierzulande? Ein Gastbeitrag von Thomas Beyerle, Catella Research.

 

Hochhäuser entstehen in deutschen Stadtzentren

Gerade in stark nachgefragten, extrem verdichteten Stadtstrukturen in Amerika oder Asien sind Hochhäuser – im Gegensatz zum flächenextensiven Europa – nicht nur äußerst populär, sie sind oftmals die einzige angebotene und – je nach Perspektive – bezahlbare Wohnform. Diese Wohntürme sind, teilweise ergänzt durch die ersten mixed-use- bzw. Hybrid-Türme, struktur- und silhouettebildend.

Auch in Deutschland kommt das Wohnen im Hochhaus – wieder – in Mode. Dabei war das Hochhauswohnen bereits von Beginn an als Lösung städtischer Probleme konzipiert, siehe Le Corbusiers „Wohnmaschine“ (ein Begriff, der Anfang der 20er Jahre positiv verstanden wurde). Diese Wohnungen waren sehr modern und gut ausgestattet im Vergleich zum damaligen Hinterhof Status quo. Doch im Gegensatz zu den ersten zaghaften Versuchen in den 1960ern in Ost- wie Westdeutschland findet diese Entwicklung heute nicht mehr als „Neustadtkonzept“ am Rand der Städte statt, sondern mittendrin in der Urbanität. Dieser Shift ins Zentrum beschreibt eine neue Dimension in der bisher von mittelalterlichen Stadtstrukturen geprägten europäischen Stadt.

 

Wohnhochhäuser: Pro und Kontra

Was sind die Pros- und Cons unter Abgleich aller Anforderungen der Stadt- bzw. Regionalplanung sowie den massiven Re-Urbanisierungstendenzen in Deutschland? Was bedeutet es, viele Menschen auf einer überschaubaren Grundstücksfläche zu haben? Aus nachhaltigen Gesichtspunkten finden sich mehr Vor- als Nachteile, siehe Flächenversiegelung, kurze Wege, zentrale Infrastrukturerschließung. Allerdings wird die aktuelle Hausse an den Wohnhochhäusern weniger für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum getrieben, sondern durch das verfügbare Anlagekapital und den Zwang zur Umwidmung infolge hoher Bodenpreise im Zentrum. Bisher positioniert sich diese Wohnform fast ausschließlich im höchsten Preissegment. Dies ist aktuell der Spannungsbogen zwischen Investoren, städtischen Planern, Finanzieren und auch einer völlig neuen Nachfrage-Klientel.

 

Der Traum vom Eigenheim im Grünen

In der deutschen Wohnpsychologie definieren drei Elemente die Resentimements der letzten 60 Jahre gegen Wohnhochhäuser: Erstens der Traum vom freistehenden Haus im Grünen statt Urbanität, zweitens das äußert träge Umzugsverhalten der Deutschen und drittens die abschreckenden Beispiele aus den 60/70/80er Jahren im Geschosswohnungsbau wie z.B. Köln-Chorweiler, München-Neuperlach, Neue Vahr Bremen, Rostock-Lichtenhagen oder Berlin Gropiusstadt inklusive sozialer Erosion.
Schließlich stellt sich die Frage, was Hochhauswohnen für die Stadtentwicklung bedeutet. Das Pendel schlägt dabei in der aktuellen Diskussion zwischen Verödung bis hin zur Bereicherung des sozialen Lebens. Meiner Meinung nach kann diese Urbanität im Vertikalen zur Bereicherung führen, wenn die soziale Einbindung in das unmittelbare Umfeld gelingt. Dafür fehlt uns ehrlicherweise aber in Deutschland die positive Erfahrung.
Hier hilft erneut ein Blick in die USA oder Singapur. Das mag zwar Verdichtung und neue Formen der Kommunikation und des Bauens erfordern, welche es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben hat. Gleichwohl hat jeder beim Gedanken an die Stadt der Zukunft immer dieses Bild vor Augen: Urban, verdichtet und immer in die Höhe gebaut. Auch wenn filmische Beispiele wie Fritz Langs Metropolis von 1927, über Blade Runner von 1982 bis hin zur Star Wars-Reihe eher dystopischen Charakter aufweisen.

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