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Empty churches can be transformed into something new – libraries, museums or apartments. Photo: dvoevnore / Shutterstock Leerstehende Kirchen bieten Raum für Neues – Bibliotheken, Museen oder Wohnungen. Foto: dvoevnore / Shutterstock

Wohnen in Kirche und Büro: Revitalisierung durch kreative Umnutzung

Stephanie von Keudell
Stephanie von Keudell
freie Journalistin

Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt. 18.20). Was aber, wenn sich nicht einmal zwei Gottesdienstbesucher einfinden? Kirchen lassen sich als Wohnraum revitalisieren, genauso wie Büro- und Amtsgebäude.

 

Unter dem Motto „Dio non abita qui?“ – Gott lebt hier nicht mehr? – widmeten sich zuletzt an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Delegierte aus 36 Ländern dem Problem aufgegebener bzw. aufzugebender Kirchen.

Wie viele Gotteshäuser bereits aufgegeben wurden, weiß niemand so ganz genau – in Deutschland sollen in den letzten 20 Jahren nach Angaben der SZ rund 500 katholische Kirchen entweiht worden sein.

Was tun mit einem Gotteshaus ohne Gott? Die katholische Kirche agiert eher zurückhaltend und wünscht sich „Initiativen, die den Geist nicht schänden“: Museen, Bibliotheken, Räume für karitative Zwecke. Dass da noch mehr ginge und geht, beweisen Denkmalschutzprofis: Die ehemalige Kirche „Herz Jesu“ in Mönchengladbach hat sich unter der Leitung von Schleiff Denkmalentwicklung in ein Ensemble aus 23 Wohneinheiten auf vier Etagen verwandelt. „Dank dem „Haus in Haus-Konzept“ konnte das äußere und innere Erscheinungsbild weitgehend erhalten werden – die Holzrahmenbauweise ließ das ursprüngliche Gebäude unangetastet“, freute sich Geschäftsführer Georg Wilms bei der Vorstellung des preisgekrönten Projekts vor den Mitgliedern des Immpresseclubs.

 

Büroluft rund um die Uhr


Natürlich funktioniert Revitalisierung in den seltensten Fällen so durchgeistigt wie in Mönchengladbach – wesentlich profanere Objekte lassen sich in Niederrad besichtigen. In dem Frankfurter Stadtteil standen Ende 2014 satte 18,6 % der Büroflächen leer (Büromarktbericht NAI Apollo) und ließen den einst beliebten Bürostandort öde und verlassen wirken. Die boomende Nachfrage nach Wohnungen in der Bankenmetropole wendete das Blatt: Ungenutzte Bürotürme werden gezielt abgerissen oder zu Wohnraum umgestaltet. Prominentestes Beispiel ist das „Lyoner Quartier“, wo der Leerstand nach 13 % im Jahr 2016 mit 9 % im Jahr 2017 inzwischen unter dem Frankfurter Durchschnitt liegt.

Dort zu leben, wo früher gearbeitet wurde, sieht zwar auf den ersten Blick unspektakulär aus, hat jedoch durchaus seine Besonderheiten: Die Büro-Monokultur mit ausgestorbenen Straßen nach Feierabend soll sich zu einem lebendigen Stadtteil mit einer Mischung aus Arbeit, Wohnen und Leben entwickeln. Die „Sandhöfer Residenz“ lockt zahlungskräftige Berufseinsteiger mit Dienstleistungen vom Brötchen- bis hin zum Chauffeurservice und unverstelltem Blick über die Frankfurter Skyline, überrascht dafür mit eigenwilligen Grundrissen und der Übernahme von Büromobiliar in die Wohnnutzung. In der Mainzer Landstraße hat 2015 „The Fizz“ eröffnet, ein Studentenwohnheim der gehobenen Klasse – früher war in dem Gebäude das Ordnungsamt untergebracht. Fix und fertig möbliert auf 18 bis 24 Quadratmetern, mit Concierge-Service und Gemeinschaftsräumen inklusive, mit kostenloser Ausleihe von Playstation oder Staubsauger – der All-you-can-live-Luxus ab 667 € pro Monat trifft die Bedürfnisse vieler Studenten besser als die Hippie-WG mit Klo auf dem Gang.

Dieser Erfolg dürfte allerdings nicht jedem leerstandsgeplagten Gewerbeviertel am Stadtrand blühen, doch wer weiß – vielleicht ist 2025 Wohnen im ehemaligen Möbelhaus der letzte Schrei!

 

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