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Seniorin rollt durch ihre sonnige barrierefreie Wohnung Barrierefreies Wohnen in einer altersgerechten Immobilie erfordert ganzheitliche Ansätze. Foto: Halfpoint via Shutterstock

Wohnen im Alter – wie kann die Immobilie ihre Bewohner unterstützen?

Stephanie von Keudell
Stephanie von Keudell
freie Journalistin

 

Der Studie „Wohnen der Altersgruppe 65plus“ zufolge müssen in Deutschland innerhalb der nächsten 11 Jahre rund 3 Millionen altersgerechte Wohnungen gebaut werden. Das Hannoveraner Eduard-Pestel-Institut kalkuliert dafür in der vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e. V. in Auftrag gegebenen Studie einen Investitionsbedarf von etwa 50 Milliarden Euro

 

Barrierefreiheit ganzheitlich gedacht

 

Wer Barrierefreiheit auf „schwellenfrei“ und eine bodengleiche Dusche im Bad reduziert, springt viel zu kurz. Barrierefreiheit muss nämlich nicht nur Mobilitätsprobleme, sondern auch mit Einschränkungen von Wahrnehmung und kognitiven Fähigkeiten berücksichtigen.

Dr. Ing. Birgit Dietz vom Bayerischen Institut für alters- und demenzsensible Architektur kann als Architektin und Gerontologin beurteilen, womit älteren und eingeschränkten Menschen in ihrem Wohnumfeld geholfen ist, um ihre Selbständigkeit so lang wie möglich aufrechtzuerhalten.

Denn das ist das vordringliche Ziel der meisten älteren Menschen: In der eigenen Wohnung bleiben können. Sogar über 70 % der Pflegebedürftigen werden in ihrer häuslichen Umgebung umsorgt, stellt die „Beratungsstelle Wohnen des Stadtteilarbeit e. V.“ in Schwabing fest.

 

Visuelle Akzente machen den Unterschied

 

85 % ihrer Sinneseindrücke nehmen Menschen über die Augen wahr, erklärt Birgit Dietz. Nicht nur Farb- und Kontrastsehen nehmen mit fortschreitendem Alter ab, sondern auch die Tiefenschärfe. Degenerative Erscheinungen wie beispielsweise die Makula-Degeneration beeinflussen bei ca. einem Drittel der über 75-jährigen das Gesichtsfeld.

Die Orientierung von Senioren in ihrer Wohnung und erst recht in öffentlichen Gebäuden (z.B. Krankenhäuser) kann also schon durch einfache Maßnahmen deutlich erleichtert werden: Gute Beleuchtung und kontraststarke Markierungen in Farben aus dem warmen Spektrum, das von älteren Menschen besser gesehen wird als „kalte“ Farben, erleichtern das Zurechtfinden. Ein roter Rand am Waschbecken und an der Toilette erhöht die Zielsicherheit deutlich.

 

Planer müssen altersgerechte Elemente mitdenken

 

Kommt zu den körperlichen Einschränkungen noch eine Demenz hinzu, werden Symbole immer schlechter verstanden. So können beispielsweise Schattenflecke auf dem Fußboden als Löcher interpretiert werden. Komplizierte Armaturen im Bad erhöhen das Risiko von Verbrühungen. Hier können große Einhebelmischgriffe vorbeugen.

Dunkle, nicht glänzende Fußböden und gute Beleuchtung reduzieren zusammen mit stabilen Griffen an neuralgischen Stellen das Sturzrisiko, das im Bereich der Toilette am höchsten ist. Dazu muss bereits der Planer stabile Wände für eine feste Montage der Haltegriffe vorsehen. Ebenfalls schwer „nachzurüsten“ ist ausreichender Bewegungsraum, der sowohl für den Rollator als auch für später eventuell benötigtes Pflegepersonal erforderlich ist.

 

Smart Home als Gesundheitsassistent für mehr Selbstständigkeit im Alter

 

Smarte Wohnungen bieten Möglichkeiten, die weit über ein bloßes Vermeiden von Unannehmlichkeiten hinausreichen: Die Hochschule Kempten testet in einer Forschungswohnung Prototypen für intelligente Assistenztechnik. Dazu gehören etwa Sturzsensoren im Fußboden, die automatisch Alarm schlagen, oder eine Toilette mit Armlehnen, die Blutdruck, Puls, Blutzucker und Sauerstoffgehalt des Blutes misst und die Werte direkt an den Hausarzt schickt. Sprachsteuerung von Heizung, Beleuchtung und Lüftung erleichtert die Klimatisierung der Wohnung vom Sofa aus.

Diese webbasierte Technik wirft jedoch Fragen nach dem Schutz der sensiblen Daten und der Sicherheit vor dem Missbrauch durch Dritte auf. hier ist fachkundiger Rat gefragt, da nicht alle Hersteller der IT-Sicherheit die ihr gebührende Bedeutung beimessen. Dann aber stehen die Chancen auf autonomes Wohnen im hohen Alter so gut wie nie zuvor!

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