In Polen sind auch Städte wie Liegnitz für Immobilieninvestoren interessant. Foto: Henryk Sadura / Shutterstock. In Polen sind auch Städte wie Liegnitz für Immobilieninvestoren interessant. Foto: Henryk Sadura / Shutterstock.

Polen zieht ausländische Immobilieninvestments an

Andreas Schiller
Andreas Schiller
Geschäftsführer Schiller Publishing House

Von Anfang an nahmen polnische Aussteller an der EXPO REAL teil. Inzwischen führt Polen die Statistik der Aussteller aus CEE an. Das entspricht der Bedeutung des Landes im internationalen Geschehen. Hier gibt es frische Eindrücke von einer Fachmesse und -konferenz in Warschau.  

 

Begehrt sind Investments nach wie vor in der Hauptstadt Warschau. Zuletzt verbuchte Madison International Realty viel Aufmerksamkeit, als sich das Unternehmen zu 50 Prozent am Büroturm Warsaw Spire beteiligte. In diesem Jahr ist es der bislang größte Deal in Polen, denn der Wert des höchsten Bürogebäudes in CEE beträgt rund 350 Millionen Euro. Für das Immobilienunternehmen Ghelamco, die den Turm entwickelten und denen die andere Hälfte nach wie vor gehört, finanzierte die Helaba zusammen mit zwei anderen Banken den spektakulären Turm.

 

Martin Erbe, Head of International Real Estate Financing Continental Europe der Helaba, betonte auf der diesjährigen Fachmesse und -konferenz „Real Connect“, die nicht weit vom Warsaw Spire im Ausstellungszentrum Expo XXI stattfand, aber auch, dass es der Bank nicht nur um Warschau geht: „Die Helaba hat zum Beispiel auch ein Shopping Center in der Stadt Elblag in Ermland-Masuren finanziert.“

 

Investoren setzen zwar nach wie vor auf die Hauptstadt, aber auch verstärkt auf Ober- und Mittelzentren. Nur zwei Beispiele deutschen Ursprungs: Union Investment Real Estate hat außer in Warschau in Posen, aber auch in weniger bekannten Städten wie Konin und Rybnik investiert. Warburg-HIH Invest Real Estate erwarb bereits drei Immobilien in Breslau sowie eine in Krakau. Matthias Brodeßer, Head of Transaction Management International, sagte: „In Polen haben wir außer Warschau verschiedene ‚secondary cities‘ auf dem Schirm und beabsichtigen dort auch weitere Investitionen.“

 

Ober- und Mittelzentren im Fokus

Breslau, Danzig, Kattowitz, Krakau, Lodz, Posen und Stettin kennen inzwischen viele. In einem Workshop auf der „Real Connect“ präsentierten sich hingegen drei weniger prominente Standorte: die Stadt Legnica, früher Liegnitz, die Stadt Nowy Dwór Mazowiecki und aus Warschau ein städtebauliches Planungsprojekt in direkter Nähe zum neuen Nationalstadion in Praga am rechten Ufer der Weichsel.

 

Nowy was? Nowy Dwór Mazowiecki liegt rund 35 Kilometer nordwestlich vom Zentrum Warschaus entfernt. Einige kennen die Stadt, ohne es zu wissen. Denn in Nowy Dwór Mazowiecki befindet sich nicht nur die Festung Modlin, sondern auch der Flughafen gleichen Namens. Dort startet und landet Ryanair für Flüge von und nach Warschau. Bürgermeister Jacek Kowalski hob hervor: „Wir befinden uns in der Transformation von einer Schlafstadt zu einem munteren Ort“. Das sei auch gut für den lokalen Immobilienmarkt.

 

Legnica, das mit rund 100.000 Einwohnern zu den größeren Städten in Niederschlesien zählt, stellte unter anderem das frühere Flughafenareal vor. Das Gelände, das sich im Eigentum der Stadt befindet, umfasst immerhin eine Fläche von etwas mehr als 100 Hektar und soll neu genutzt werden.

 

 

Auch die Hauptstadt ist polyzentrisch

Polyzentrisch ist aber nicht nur das Land, sondern auch die Hauptstadt selbst. Neue Zentren wurden – zum Beispiel im Stadtteil Wola am Rondo Daszyńskiego – und werden geschaffen. Piotr Sawicki, Stellv. Direktor der Abteilung für Architektur und Planung der Stadt Warschau, präsentierte erste Pläne für die Neunutzung eines Areals direkt am Nationalstadion. Das entstand für die Fußball-Europameisterschaft 2012 und ist mit einer der beiden Metrolinien Warschaus perfekt angebunden. In wenigen Minuten ist man von der Altstadt oder vom Kulturpalast dort, wo nun auf einer Fläche von knapp 120.000 Quadratmetern ein neues Quartier mit Hotels, Büros, Handel und Freizeit entstehen soll. Zu letzteren gehört auch eine Multifunktionsarena. Die Idee dahinter ist, den Stadtteil Praga weiter aufzuwerten.

 

Wie sehr sich Praga verändert hat, zeigt sich schon heute. So ist nicht nur das rechte Ufer der Weichsel attraktiver geworden, auch alte Industrieareale wurden und werden umgenutzt. Aktuell gehört hierzu die Revitalisierung der Fabrik Koneser, in der viele Jahrzehnte Wodka produziert wurde. Bereits zuvor entstand in Port Praski unter anderem Wohnbebauung. Auch die Revitalisierung der noch umfangreich vorhandenen alten Wohngebäude ist in Praga ein großes Thema.

 

Das dürfte Martin Erbe gefallen, der außer Büro- und Handelsimmobilien zurzeit verstärkt den Wohnungsmarkt beobachtet. „‘Resi for rent‘, also Mietwohnungsbau, ist in Polen für die Zukunft ein spannendes Thema, auf das immer mehr Entwickler und Investoren aufmerksam werden“, so der Head of International Real Estate Financing Continental Europe der Helaba.

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