Der EXPO REAL Blog - Geschichten und News

rund um das wichtigste Netzwerk für Immobilien und Investitionen in Europa

So sehen die Zukunftspläne der polnischen Echo Investment aus. Fotos von Conny Mirbach / constantinmirbach.com So sehen die Zukunftspläne der polnischen Echo Investment aus. Fotos von Conny Mirbach / constantinmirbach.com

Moving the Pieces

Andrew Curry. © Bernhard Ludewig
Andrew Curry
Journalist

Andrew Curry berichtet aus München davon, wie auf der Expo Real Investoren, Entwickler und Stadtplaner zusammenkommen, um die Deals auszuhandeln, die unsere Städte in den kommenden Jahren prägen werden. Holen Sie sich ein Bier und werfen Sie mit uns einen Blick auf die Zukunft der Immobilie.

Spannende Langeweile

Es ist Nachmittag am ersten Tag der Expo Real, Europas größter Immobilienmesse, und Marko Kauppinen ist gerade dabei, eine der ungewöhnlichsten Präsentationen des Tages abzuliefern. „Wir“, sagt der Finne vor der versammelten Menge mit Männern und Frauen in Anzügen, „sind langweilig. Dinge, die funktionieren, sind langweilig. Finnland ist ein langweiliges Land. Und langweilig ist gut fürs Geschäft.“ Kauppinens Visitenkarte weist ihn als „City Growth Evangelist“, also Botschafter für städtisches Wachstum, des Helsinki Ring of Industry aus, ein Netzwerk von zehn (vermutlich langweiligen) Städten am Rande der finnischen Hauptstadt. Seine Jeans, sein gepunktetes Halstuch und sein blonder Männerdutt deuten jedoch darauf hin, dass sein Bekenntnis zur Langeweile möglicherweise nur halbherzig ist. Er ist zum ersten Mal auf dem Münchner Kongress und er hofft, dass er einen oder zwei der Tausenden von Immobilienprofis, die sich hier versammelt haben, als Investoren gewinnen kann.

Networking als Hauptevent

Jedes Jahr versammelt die Expo Real alle von Barcelona bis Burger King unter einem Dach – Hunderte von Städten, Regionen, Immobilieninvestoren, Banken, Hotelketten und andere Unternehmen treffen sich zum Fachsimpeln. Die riesigen Stände und überfüllten Hallen ähneln jeder anderen Messe, aber mit einem deutlichen Unterschied: Es gibt keine ausgestellten Waren und nichts, was man kaufen oder in was man investieren könnte. Stattdessen ist die Expo Real eher ein dreitägiges Networking-Event, das den Akteuren in einem Segment mit vielen veränderlichen Größen hilft, sich gegenseitig zu finden und herauszufinden, was die Zukunft bereithält.

Links: Gerade im Bau: Der OmniTurm im Frankfurter Bankenviertel, Mitte: Katarina Ivezic, Promotion Advisor, Vojvodina Development Agency, rechts: Gespräche am Modell

Links: Gerade im Bau: Der OmniTurm im Frankfurter Bankenviertel, Mitte: Katarina Ivezic, Promotion Advisor, Vojvodina Development Agency, rechts: Gespräche am Modell

„Gespräche mit deutschen Investoren sind hier kurz, klar, und konzentriert aufs Investieren“

Von technologieorientierten Baulösungen bis hin zur nächsten Version des Business-Hotels  werden hier die Weichen für Geschäfte gestellt, die möglicherweise erst Monate oder sogar Jahre später umgesetzt werden. „Das ist nicht wie eine Messe, auf der man Produkte verkauft und ein paar Tage später eine Antwort erhält“, sagt Andreas Brinkmann von Burger King Deutschland. „Hier ist es ein langer Weg zum Erfolg.“ Glasgow ist nur eine der auf der Messe vertretenen Städte. Sie sucht nach Unterstützung bei der Neugestaltung ihrer verblassten Uferpromenade, und dies ist eine ideale Gelegenheit, sich auf hoher Ebene zu präsentieren.

Anne Murray, die seit sieben Jahren hierher kommt, sagt, dass die Expo Real das zuverlässige deutsche Geschwisterkind der Mipim ist, dem jährlichen Immobilien-Event in Cannes – und deshalb gefällt sie ihr. „Auf der Mipim ist mehr Rummel. Die Gespräche mit deutschen Investoren sind hier kurz und bündig“, sagt Murray, die als Investitionsmanagering der Stadt beschlossen hat, den Stand in diesem Jahr zu vergrößern. „Die Expo Real wird ernster genommen. Die Leute kommen hierher, um Geschäfte zu machen.“

„Angesichts all des Chaos in der Welt ist Deutschland mehr denn je ein sicherer Hafen“

Und es gibt hier viele Geschäfte zu machen. Mehr als 44.000 Menschen kamen 2018 nach München – die bisher größte Besucherzahl – angezogen von dem jahrelangen starken Wachstum des europäischen Immobilienmarktes, das teilweise durch ein Jahrzehnt billiger Kredite und Unsicherheit in anderen Teilen der Welt angetrieben wurde. Damit haben die weltweiten Immobilienmärkte im ersten Halbjahr 2018 laut der Investmentmanagement-Gesellschaft JLL das beste Ergebnis seit 2007 erzielt. In einer vor der Messe durchgeführten Umfrage äußerten sich 66 Prozent der Befragten optimistisch über die Bedingungen für die Branche.

Es hilft, dass sich die Expo Real stark auf den deutschen Markt konzentriert, wobei auch Nachbarn wie Polen, Schweden und die Niederlande, jeweils Nationen mit starken, wachsenden Volkswirtschaften und vergleichsweise hoher politischer Stabilität, breit vertreten sind. „Angesichts all des Chaos in der Welt ist Deutschland mehr denn je ein sicherer Hafen“, sagt Matthias Pink, Forschungsleiter von Savills Deutschland, der angibt, dass sichere Dinge wie Logistikzentren – Lager und Vertriebszentren in der Nähe großer Ballungszentren – gerade jetzt besonders angesagt sind. „Es gibt eine Menge Unsicherheit am weltweiten Markt und die Anleger sind risikoscheu. Die Grundlagen sind im Moment sehr gut. Es gibt viel Geld, das nach Möglichkeiten sucht – und Investitionsmöglichkeiten sind selten.“

Lockere Gespräche im Hof

Lockerer Austausch im Hof.

Links: Chris-Norman Sauer, Head of Acquisitions, Premier Inn, Mitte: jede Menge Spaß am Stand der GA-tec, rechts: Einfach mal ne Pause einlegen.

Fokus auf technischer Innovation

Eine große Veränderung auf der Expo ist die zunehmende Aufmerksamkeit für die Technologie. Während dieser Bereich einst eher eine Randerscheinung war, widmet die Messe seit 2017 einen ganzen Teil des Programms neuen Technologien, wobei das Angebot von Großunternehmen mit Millionen von Risikokapital bis hin zu kleinen Start-ups reicht.

Im Innovation Forum plaudern potenzielle Kunden und Investoren an Holztischen mit den Eigentümern von Technologieunternehmen, die den Immobilienmarkt erschließen wollen. Eine Firma bietet Drohnen an, die die Bauaufsicht günstiger machen sollen, während eine andere Virtual-Reality-Rundgänge durch Bauprojekte auf Grundlage von Bauplänen verkauft. Es ist eine Branche mit enormem Potenzial: Laut einer KPMG-Umfrage sehen mehr als 70 Prozent der Immobilienbranche in der sogenannten PropTech eine wichtige Chance.

Eines der Unternehmen, die am meisten Aufmerksamkeit erregen, ist 21st Real Estate mit Sitz in Berlin. An ihrem Stand erklären die Mitarbeiter, wie sie Daten – von der Vorschuldichte bis hin zur Nähe zu Biomärkten – nutzen, um vorherzusagen, für wie viel eine Wohnung in der jeweiligen deutschen Stadt verkauft werden könnte. „Fast jeder mit einem Stand hier ist ein potenzieller Kunde“, sagt Geschäftsführer Petr Bradatsch. Am späten Nachmittag strömen die Messebesucher ins Freie und überziehen das Gras mit einem Meer aus Blau und Schwarz. In der Herbstsonne werden Visitenkarten ausgetauscht und bei bayerischem Bier Geschäftsabschlüsse besprochen. „Man kann im Büro sitzen und auf das Telefon starren“, sagt Kauppinen, während er das Geschehen betrachtet, „oder man kommt zu so etwas hier und nutzt die Gelegenheit.“

 

Dieser Artikel ist erstmals im Monocle Magazin erschienen. Wir danken für die freundliche Genehmigung und die Fotos von Conny Mirbach.

Das neue Business-Hotel

Die spanische Hotelgesellschaft Meliá ist spezialisiert auf All-inclusive-Strandresorts in Spanien und darüber hinaus. Auf der Expo Real dominierte jedoch Innside, eine seit zehn Jahren bestehende Marke, die auf junge Geschäftsreisende abzielt. Die Meliá-Managerin Pilar Serra Colom sagt, dass die Kette hofft, dass ein jüngerer, frischerer Look das Interesse der Entwickler wecken wird, die Hotelimmobilien in ihre Stadtentwicklungsprojekte einbeziehen wollen. „Wenn man wachsen will, muss man sich anpassen“, sagt Colom. Innside war nur eines der „Business-Casual“-Hotelangebote auf der Expo. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs versierter, unverbrauchter Ketten wie CitizenM sind neuere Marken wie 25Hours, Me and All, Premier Inn und Innside jeweils Teil der Bemühungen großer Hotelgesellschaften, die Aufmerksamkeit einer jüngeren Generation von Geschäftsreisenden auf sich zu ziehen.

Wichtiger als Sterne: Lage und Ausstattung

Zentrale, verkehrsgünstige Stadtlagen gelten ebenso als entscheidend, wie die Anzahl der Steckdosen für Gadgets und Laptops sowie Gemeinschaftsräume mit Café-Ambiente, um Geschäftsreisende aus ihren Zimmern zu locken. (Moxy, die Boutique-Hotelmarke von Marriott, schien ihre Präsentation auf den Geruch von rosa glasierten Donuts zu stützen.) Entwickler können den Bedürfnissen dieser neuen Art von Hotels leichter gerecht werden, als dies bei ihren ausladenden, gehobenen Verwandten der Fall ist. „Ein Vier-Sterne-Hotel ist aufgrund der hohen Grundfläche eine Herausforderung am Immobilienmarkt“, sagt Chris-Norman Sauer, Head of Acquisitions bei Premier Inn. „Die Leute brauchen kein 30 Quadratmeter großes Zimmer.“

Das hilft, Erstbesucher auf die Messe zu locken, darunter Leute aus Hauptstädten wie Sofia und Riga sowie aus anderen eher abseits der Touristenpfade gelegenen Städten. Die Vojvodina, die nördlichste Provinz Serbiens, entsandte Vertreter in bunt geblümten Schals, um für die Vorteile der Region durch die „EU-Nähe“ zu werben. Gemeinsame Grenzen mit vier EU-Mitgliedern gepaart mit günstigen Kosten machen die Provinz zu einem geeigneten Standort für Fertigung und Logistik, sagt Sprecherin Katarina Ivezic. „Die Verkehrswirtschaft ist zugänglich und preiswert, und die Steuern sind niedriger als in der EU.“

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