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Lösungen zur Wohnungsknappheit kontrovers diskutiert im Expo Real Forum

Der Montag, der wie ein Dienstag war … Kann die Politik das Wohnungsproblem lösen?

Stephanie von Keudell
Stephanie von Keudell
freie Journalistin

Langjährige Besucher waren überrascht: Die 21. Expo Real startete fulminant mit einem selten dagewesenen Andrang. Bereits am Montag Vormittag drängten sich die Besucher in den Gängen, und auch die hochkarätig besetzten Panels waren durchwegs sehr gut besucht – Sitzplätze Mangelware!

Eine Auswertung des Wohngipfels im Kanzlerinnenamt

 

Gleich zweimal widmete sich das Expo Real Forum am Montag dem Thema Wohnungsknappheit – aus ganz unterschiedlichen Aspekten:

Mit Mut zur pointierten Aussage diskutierten Dr. Andreas Mattner (Präsident des ZIA), Dr. Franz-Georg Rips (Präsident des Deutschen Mieterbundes) und Marco Wanderwitz (Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium) darüber, was sich in der deutschen Baupolitik durch die neue politische Zuständigkeit im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat ändern könnte. Große Hoffnungen wurden in den Wohngipfel im September im Kanzleramt gesetzt, doch können seine Ergebnisse nicht alle Diskutanten überzeugen – ganz davon abgesehen, dass die Umsetzung der Vorschläge ohnehin noch aussteht. Während ZIA-Präsident Mattner sich beispielsweise mit einer Sonder-Abschreibung für den Neubau von Mietwohnungen anfreunden könnte, ist Mieter-Präsident Rips skeptisch und warnt vor einer preistreibenden Wirkung. Er plädiert dafür, die reguläre Abschreibung von 2 auf 3 Prozent zu erhöhen, allein schon wegen des beschleunigten technischen Fortschritts, der zu schneller Alterung führe.

Dieser Vorschlag stößt jedoch beim Vertreter der Politik auf Widerspruch: Marco Wanderwitz gibt zu bedenken, dass gerade die Bundesländer nicht wild auf zusätzliche Kosten sind. Er hält Aufstockung und Dachgeschoßausbau für geeignete Wege, rasch zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Darüber hinaus plädiert Franz-Georg Rips für eine behutsame Reduktion des förderfähigen Wohnraums, da der bisherige Flächenluxus in Deutschland nicht aufrecht zu erhalten sein dürfte. Zusätzlich bringt er eine Steuer auf Wohnraum ins Gespräch und hält eine Novellierung der Grundsteuer für überfällig („Die Grundsteuerreform ist ein tolles Beispiel für politisches Versagen, seit Jahrzehnten ist nichts passiert!“), während Andreas Mattner vehement für weniger Regulierung eintritt. Er wehrt sich vor allem gegen die Verteufelung der Share Deals und befürchtet verminderte Bautätigkeit im Falle von faktischen Steuererhöhungen.

Neubau-Engpässe führen bereits zu New-York-ähnlichen Zuständen

 

Einigkeit besteht vor allem darin, dass der Engpassfaktor für mehr Neubau in der Kapazität der Baubranche liegt – Details lieferte das nächste Panel mit dem Schwerpunkt Wohnimmobilien. Moderator Andreas Remien (Redakteur der Süddeutschen Zeitung) und Teilnehmerin Utta Seidenspinner (Autorin von „Wohnungswahnsinn“) erkennen auf dem Münchner Wohnungsmarkt schon beinahe New Yorker Verhältnisse, Dr. Wulff Aengevelt (Aengevelt Immobilien) errechnet in den Big Five München, Hamburg, Berlin, Frankfurt/Main und Düsseldorf ein Defizit von insgesamt gut 229.000 Wohnungen, weil dort jahrelang der Wohnungsneubau verschlafen worden sei und sich die öffentliche Hand weitgehend aus der Bestandshaltung im Wohnraum zurückgezogen habe. Dr. Markus Cieleback (Head of Research bei der Patrizia Immobilien AG) pflichtet ihm bei: „Die Anpassungsprozesse in unserer Branche dauern 10 bis 15 Jahre. Das heißt, wir stehen heute vor den Problemen, die in den Nuller Jahren verursacht wurden!“

Verstärkter Neubau in den Metropolen scheitert jedoch nach Erfahrung von Peter Jorzick (Managing Director beim Projektentwickler HamburgTEAM) außer an der fehlenden vorausschauenden Baulandentwicklungen in Großstädten schlicht an den ausgeschöpften Kapazitäten der Bauindustrie, angefangen beim LKW-Fahrer bis hin zum Installateur. „Mehr bauen ist schlicht nicht möglich“, warnt er, trotz aller staatlicher Förderung. Eine mögliche Lösung für das Problem sieht Markus Cieleback darin, einfacher und günstiger zu bauen, z. B. mit auf Putz verlegten Leitungen und ohne Keller, wie das in anderen europäischen Ländern üblich ist. Denn wegen der Eigenkapitalschwemme wird in Deutschland lieber Luxus- als günstiger Wohnraum gebaut. Das Fazit der Panels stimmt deshalb nicht sehr optimistisch: Damit die Experten ihr eine Lösung der Wohnraumknappheit zutrauen, müsste die Politik auf Ebene von Gemeinden, Ländern und Bund sich einigen und deutlich Gas geben – nicht wie bisher zwei Schritte vor und drei zurück.

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