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Wegweiser mit einem Pfeil richtung Brexit, einem Pfeil richtung EU Brexit um jeden Preis – ist das der Weg? Foto: DarwelShots via Shutterstock

Johnson forciert den harten Brexit – aber auf wessen Kosten?

Charles Kingston
Charles Kingston
Redakteur bei REFIRE - Real Estate Finance Intelligence Report

Zwei Kandidaten sind noch im Rennen um die Nachfolge der glücklosen Premierministerin Theresa May: Boris Johnson und Jeremy Hunt. Der Gewinner wird am 22. Juli bekanntgegeben, und, das scheint mittlerweile nahezu sicher, Johnson heißen.

 

Johnson baut seine gesamte Glaubwürdigkeit auf das Image, als einziger Kandidat die Brexit-Frist zum 31. Oktober einhalten zu können. Er ist entschlossen, den Austritt Großbritanniens aus der EU bis dahin durchzusetzen, auch um den Preis eines harten Brexit. Sollte es ihm nicht gelingen, die EU zu Neuverhandlungen zu bewegen, oder das britische Parlament dazu, für seinen Deal zu stimmen, wird er das Schicksal seiner Vorgängerin teilen.

Johnson liegt vorn, verehrt von den Tory-Anhängern in den ländlichen Grafschaften Englands, aber in Schottland verachtet und in Europa als aufgeblasener Dilettant verspottet. Und doch: Die gewisse Popularität eines Stimmenfängers kann man ihm zuerkennen.

 

Farage & Johnson: Zwei Brexit Hardliner gegen die Mehrheit der Bevölkerung

 

Mit dem mittlerweile leicht gezähmten Haarmopp und neuer Partnerin an seiner Seite würde Johnson hier unter normalen Umständen die historische Gelegenheit sehen, in die Fußstapfen seines Helden Winston Churchill zu treten und das angeschlagene Großbritannien in seine „unabhängige“ Bestimmung zu führen.

Die 124.000 Mitglieder der Konservativen Partei, die das ausschließliche Recht innehaben, den neuen Premierminister zu wählen, wollen laut Umfragen mit einer Dreiviertelmehrheit lieber ohne Vertrag austreten als in der EU bleiben. Im Gegensatz hierzu will die Gesamtbevölkerung Umfragen zufolge jetzt mit einer Dreifünftelmehrheit lieber in der EU bleiben, als ohne Abkommen den Austritt zu erzwingen.

Dann ist da Nigel Farage. Der Chef der neu gegründeten Brexit-Partei, der Sieger bei den jüngsten Europawahlen in Großbritannien – entgegen aller Erwartungen, die Brexit-Partei sei zur Europawahl längst wieder passé. Wie Johnson streben der populistische Farage und seine immer aggressiveren Anhänger streben den Brexit um jeden Preis an, unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen mit der EU.

 

Ersten Verlusten zum Trotz kann die Immobilienbranche sogar vom Brexit profitieren

 

Die Auswirkungen der chaotischen Brexit-Situation auf den Immobilienmarkt sind schwieriger abzuschätzen. Das schwächere Pfund macht allerdings Immobilien in Großbritannien für globales Kapital attraktiver, und London wird seinen Ruf, dynamisch und innovativ zu sein, nicht von heute auf morgen verlieren, selbst wenn der Brexit Ende Oktober stattfindet.

Ein Bericht von Capital Economics stellte kürzlich fest, dass Immobilieninvestitionen in Großbritannien im April 2019 gegenüber dem Vorjahr um 40 % zurückgegangen sind, einen Monat, nachdem der Austritt aus der EU ursprünglich stattfinden sollte. Mit insgesamt 11,2 Milliarden Euro an gehandelten gewerblichen Immobilien im ersten Quartal war diese Zahl 20 % niedriger als im gleichen Quartal des Vorjahrs. Die Marktforscher von Capital Economics erwarten, dass sich der Markt im Laufe dieses Jahres weiter abschwächt.

Neue Untersuchungen der digitalen Immobilienplattform BrickVest zeigen, dass das Interesse von Investoren am gewerblichen Immobilienmarkt in Großbritannien sowohl bei internationalen als auch bei einheimischen Investoren nachgelassen hat, wobei Deutschland als größter Profiteur hervorgeht. In der vierteljährlichen Umfrage unter über 6000 Immobilienprofis zeigt das BrickVest-Barometer, dass weniger als ein Drittel (29 %) der internationalen Investoren Großbritannien als ihren bevorzugten Markt sehen, wobei die Unterstützung der Investoren in Großbritannien für den eigenen Markt um 40 % fiel, so tief wie noch nie, seit das Barometer im 1. Quartal 2017 eingeführt wurde.

 

Die Brexit-Kluft wird Großbritannien für Generationen spalten

 

All das kann sich über die nächsten Monate noch ändern, wenn der neue Chef oder die neue Chefin der Konservativen seine bzw. ihre Absichten darlegt und Europa dazu herausfordert, eine Reihe neuer Punkte anzusprechen. Es gibt einige potenzielle Szenarien – landesweite Neuwahlen, ein zweites Referendum, festgefahrene Verhandlungen und einen harten Brexit mit unmittelbarem Neubeginn nach den Regeln der World Trade Organisation, oder eine weitere Verschiebung des Austritts.

 

Eins steht fest: Der Brexit wird die britische Gesellschaft noch für Jahre und Jahrzehnte spalten, unabhängig von seinem Ausgang. Die Hälfte der Wahlberechtigten im Lande wird sich benachteiligt und bitter fühlen, und keiner kann sagen, welche Folgen dies haben wird. Wahrlich unerquickliche Zeiten.

 

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