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Europäische Investoren ziehen teilweise ihre Anteile vom britischen Immobilienmarkt zurück. Foto: Ivan Marc / Shutterstock Europäische Investoren ziehen teilweise ihre Anteile vom britischen Immobilienmarkt zurück. Foto: Ivan Marc / Shutterstock

Großbritannien gibt sich angesichts des bevorstehenden Brexit tapfer

Judi Seebus
Judi Seebus
Chefredakteurin, PropertyEU

Weniger als ein Jahr bis zum Ausstieg, und Großbritannien läuft immer noch Gefahr, einen harten Brexit zu riskieren.  Bisher gab es kaum Anzeichen dafür, dass ausländische Investoren dem größten Immobilienanlagemarkt Europas den Rücken kehren. Aber einige meinen, dass Großbritannien „einen großen Teil seines Wettbewerbsvorteils eingebüßt“ hat.

 

Mitte Juni stellte sich heraus, dass Amundi, einer der größten Vermögensverwalter in Europa mit Sitz in Paris, dieses Jahr nichts auf der anderen Seite des Ärmelkanals kauft, eine Richtung, die bereits 2017 eingeschlagen wurde.  „Die Verbindung zwischen Wirtschaftsaufschwung und steigenden Mieten ist ein wesentliches Element, das zu berücksichtigen ist, und Länder wie Großbritannien, die die negativen Auswirkungen des Brexit zu spüren bekommen, werden abgestraft“, sagte CEO Jean-Marc Coly in einem mit dem Datenlieferanten Preqin veröffentlichten Bericht.

Seit Jahren greift Großbritannien einen unverhältnismäßig hohen Anteil der weltweiten Investitionen ab. Das kann aber nach dem Brexit vorbei sein, meinte Simon Martin, Leiter für Forschung & Strategie bei Tristan Capital Partners, erst kürzlich bei einem PropertyEU Investment Briefing in London.  „Man kann nicht darüber hinwegsehen, dass Großbritannien einen großen Teil seines Wettbewerbsvorteils eingebüßt hat. Dadurch ist es viel schwieriger geworden, sich für ein massives Übergewicht in Großbritannien einzusetzen, wenn zudem auch gerade andere europäische Hauptstädte im Kommen sind.“

 

Großbritannien ist für ausländische Anleger nicht tabu

Das heißt nicht, dass Großbritannien jetzt für ausländische Anleger tabu ist. Im Gegenteil, ausländisches Kapital wurde nie aus London oder auch dem Rest des Landes abgezogen, und nach wie vor fließen hohe Investitionen. Insbesondere hat chinesisches Kapital die britische Hauptstadt mit Milliarden-Euro-Deals gestützt, und in der Woche, in der Amundi ankündigte, Großbritannien zu meiden, kaufte ein Investor aus Hongkong für 1,1 Milliarden Euro eine weitere Vorzeigeimmobilie. Die Grundvoraussetzungen sind nach wie vor gut: Büromieten in London liegen über dem Zehnjahresdurchschnitt und der Wegfall von Arbeitsplätzen durch den Brexit ist bisher eher begrenzt.

 

Verlagerung zu Alternativen wie Hotels und Studentenheimen

Ein Anlagetrend, der sich in Großbritannien in den letzten Jahren immer deutlicher herausschälte, ist eine Verlagerung zu Alternativen wie Hotels und Studentenheimen. Schwergewichtige Investoren vom Kontinent, wie die niederländischen Rentenfonds APG und PGGM, sind in den Wohnungsmarkt eingestiegen, und im Mai dieses Jahres blätterte die in Paris börsennotierte Covivio (ehemals Foncière des Régions) fast 1 Milliarde Euro für ein Hotel-Portfolio von Starwood Capital hin. Tatsächlich nimmt neues Kapital weltweit, darunter japanische Investoren, südkoreanische Versicherungen und kanadische und australische Rentenfonds, den britischen Markt ins Visier.

Zinssätze bleiben niedrig

Die Briten geben sich auch tapfer, wenn es um die unvermeidliche und lange überfällige Erhöhung der Zinssätze in Großbritannien geht.  Teilnehmer des jährlichen Immobilienfinanzierungsgipfels von Savills Anfang Juni hörten, dass die Frage ist, wann und nicht ob die Zinssätze steigen werden. Aber selbst wenn sie schnell steigen, bleiben sie historisch gesehen auf niedrigem Niveau.
Großbritannien wird in Europa immer eine Insel bleiben, aber nie komplett losgelöst sein.

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