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Zur EXPO REAL 2018 diskutierte ein Expertenpanel die Zukunftsfähigkeit der EU. Zur EXPO REAL 2018 diskutierte ein Expertenpanel die Zukunftsfähigkeit der EU.

Europa wohin? Wie zukunftsfähig ist die EU?

Stephanie von Keudell
Stephanie von Keudell
freie Journalistin

Um die Zukunft Europas drehte sich die Diskussion am Mittwoch, konkret um die wirtschaftliche und politische Zukunftsfähigkeit der EU. Es diskutierten:

  • Keynote-Speaker Dr. Marcel Fratzscher (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung),
  • Thomas Beyerle (Head of Group Research bei Catella),
  • Dr. Tobias Just (IREBS),
  • Christoph Schumacher (Global Head Real Estate bei der Credit Suisse) und
  • Hans Volkert Volckens (zuletzt CFO der CA Immo)
  • Die Moderation übernahm Klaus Schweinsberg (Centrum für Strategie und Höhere Führung – GLH GmbH)

 

Politische Situation bereitet Sorgen

 

Fratzscher macht in seiner Keynote deutlich, dass Europa als Ganzes mit durchschnittlich 2 % Wirtschaftswachstum und ungenützten Ressourcen gut dasteht, Deutschland mit hoher Beschäftigung sogar besonders gut. Überhitzung sieht er in Deutschland allenfalls teilweise bei den Vermögenspreisen, nicht jedoch bei den Verbraucherpreisen. Risiken gibt es seiner Ansicht nach dennoch, und zwar in erster Linie politische: Populismus, Paralyse (uns geht’s zu gut) und Protektionismus. Sorgen macht ihm in diesem Zusammenhang weniger der Brexit als vielmehr die wirtschaftliche Schwäche Italiens in Kombination mit einer europakritischen Regierung. Aus ökonomischer Sicht pflichtet ihm Thomas Beyerle bei: Zwar hielte der aktuelle Zyklus schon ungewöhnlich lange an, dennoch sähe er kaum Anzeichen für einen Knick in der wirtschaftlichen Entwicklung, so dass er sich gut noch zwei bis drei weitere gute Jahre vorstellen könne.

 

Lösungsansätze für Wohnungsknappheit

 

Tobias Just prägt das Schlagwort von der „rationalen Übertreibung“, wonach Investoren auf der Suche nach Alternativen zur Null-Rendite bei Festverzinslichen ins Risiko gezwungen werden. Das sei Ziel der EZB gewesen. Er beobachtet demzufolge in Deutschland keine spekulativen Übertreibungen, sondern eine Eigenkapital-finanzierte Überinvestition in Immobilien und warnt, dass in dieser Situation politische Fehler wie beispielsweise der Brexit sehr schnell zu krisenhaften Entwicklungen führen könnten. Für solche Szenarien gebe es keine Modellierungsdaten, das heißt, ihre Risiken sind nicht berechenbar. Hans Volckens relativiert ebenfalls Deutschlands Funktion als „Safe Haven“ und verwies auf die bereits wieder steigenden Renditen für US-amerikanische Staatsanleihen – ein Zinsanstieg könnte den Immobiliensektor durch steigende Finanzierungskosten empfindlich treffen.

 

Diese Überinvestitionen in Immobilien tragen zudem nach Beyerles Ansicht wenig bis nichts zur Milderung der Wohnungsnot in den deutschen Metropolen bei: „Wir bauen Luxury Living am Bedarf vorbei, Porsche statt Golf oder Fiat“, kritisiert er. Dabei steht die deutsche Politik laut Fratzscher inzwischen unter erheblichem Druck, den Anstieg der Mieten zu bremsen, nur hat sie bisher keine geeigneten Maßnahmen ergriffen: Fratzscher kritisiert, dass das Baukindergeld Familien ins Risiko treibe und die Mietpreisbremse das Wohnungsangebot verknappt. Nötig sei vielmehr eine vermehrte Ausweisung von Bauland, auch durch Verdichtung und Aufstockung, und ein Abbau von Regulierung für einfachere und damit zügigere Genehmigungsverfahren.

 

Uneinigkeit über Entwicklungen in den USA

 

Nicht einig werden sich die Diskutanten über die zukünftige Entwicklung in den USA. Während Fratzscher in den nächsten zwei Jahren von einem zunehmenden Rezessionsrisiko in den USA ausgeht, verweist Beyerle auf Trumps Infrastrukturprogramm (auch institutionelle Investoren in der Schweiz sind laut Schumacher zunehmend an Infrastrukturinvestitionen interessiert) und seine Orientierung an der Wettbewerbsfähigkeit seines Landes. Er sieht darin einen Weckruf für Deutschland und für Europa: Statt die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu schwächen und die eigene Schlüsselindustrie (in Deutschland die Automobilindustrie) schlechtzumachen, sollten sich die europäischen Staaten dem internationalen Wettbewerb stellen und zukunftsfähige Forschungsfelder fördern.

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