Schwimmendes Wohnzimmer © victor zastol'skiy/fotolia.com

Zukünftiger Lebensraum: Schwimmende Immobilien auf der EXPO REAL?

Dr. Thomas Beyerle
Dr. Thomas Beyerle
Geschäftsführer von Catella Property Valuation GmbH

Mal Hand aufs Herz: Mit dem Bauen, Finanzieren oder Betreiben von Immobilien kennen Sie sich aus – und dann sagt einer zu Ihnen: „Das Ganze jetzt bitte auf dem Wasser!“ Bevor Sie sich zu einer schnellen Antwort hinreißen lassen, lassen Sie uns darüber sinnieren, hier und jetzt.  

Vielleicht kommt Ihnen Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer in den Sinn. Oder das archimedische Prinzip vom statischen Auftrieb eines Körpers in einem flüssigen Medium. Als Finanzierer rufen Sie nach Comparables – aber da laufen Sie ins Leere, mangels Vergleichen und Markttransparenz. Vielleicht denken Sie aber auch: „Gehen kann es freilich schon.“

„Wenn man absäuft, bleibt nur die Flucht aufs Wasser“

Utopien über das Leben auf dem Wasser beschäftigen Architekten und Visionäre seit Jahrzehnten, das reicht von schwimmenden Flughäfen und künstlichen Insellandschaften bis hin zu kompletten Großstädten. Technischer Fortschritt und Klimawandel erhöhen den Druck, das „Undenkbare“ zu denken, vor allem mit Blick auf Regionen wie Bangladesch und die Südsee. Einfacher gesagt: Wenn man absäuft, bleibt nur die Flucht aufs Wasser.

Ist die Idee vom Leben auf dem Wasser zu weit hergeholt? Nein. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich für die Uferzonen vor allem von Metropolen eine Nutzungsform etabliert, die wir unter dem Label „waterfront development“ kennen. Urbane Uferzonen rund um den Globus werden im großen Stil der Wohnnutzung zugeführt, häufig werden obsolet gewordener Industrieflächen umgewidmet. Die klassische Methode ist Landgewinnung durch das Aufschütten künstlicher Inseln. Auch temporäre schwimmende Inseln aus Eis wurden bereits erfolgreich verwendet. Hausboote sind längst kein reiner Aussteiger-Traum mehr. Und schließlich: Schwimmhäuser auf Pontons aus Stahlbeton, vom Komfort mit „normalen“ Häusern vergleichbar.

„Aquapolis“ von 1975 wurde nie bewohnt

Pontonartige Konstruktionen und Halbtaucher stellen auch die Basis für Offshore-Plattformen, wenngleich diese deutlich massiver sind. So war auch die bisher einzige schwimmende Stadt „Aquapolis“ konstruiert, die 1975 zur Weltausstellung in Japan von Kiyonori Kikutake erbaut wurde – jedoch nur als Ausstellungsstück und niemals bewohnt. Für wirklich große Städte werden sogenannte Megafloats nötig, schwimmende Fundamente, optisch durchaus einer Insel ähnlich. Erfolgreich getestet wurde bisher eine ein Kilometer lange Startbahn in Japan.

Vieles spricht für eine Expansion der Immobilie auf das Wasser. Noch scheint sie utopisch, auch aufgrund hoher Kosten und Risikoscheu. Doch mit voranschreitender Institutionalisierung lässt sich auch dieses Risiko besser kalkulieren. Klare Planungsrichtlinien und Grundbucheintragungen sind Zwischenstationen auf dem Weg zur Akzeptanz der schwimmenden Immobilie. Zukünftig sollte mit dieser Form der Immobilie also gerechnet werden.

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