Nouriel Roubini und Klaus Dittrich Nouriel Roubini und Klaus Dittrich

Roubini auf der EXPO REAL 2016: „Europa muss zusammenhalten“

US-Starökonom sprach exklusiv in München auf Europas größter Immobilienmesse

 

Die EXPO REAL hatte in diesem Jahr einen besonderen Ehrengast: den US-Starökonomen Nouriel Roubini. Der einst als „Dr. Untergang“ geschmähte Wirtschaftswissenschaftler sprach am letzten Messetag vor geladenen Gästen über die aktuelle wirtschaftliche Lage und Perspektiven – nach dem Brexit und vor der im November anstehenden US-Präsidentschaftswahl. Seine wichtigste Botschaft: Noch ist die Lage nicht bedrohlich, doch das kann sich schnell ändern.

 

„Europa ist in schlechter Nachbarschaft“

Roubini ist in Fachkreisen berühmt, weil er als einer der wenigen Ökonomen 2006 die weltweite Finanzkrise vorhersagte. Skeptiker, die dem New Yorker Professor nicht glaubten, schmähten ihn damals als „Dr. Doom“ (Dr. Untergang). Seine derzeitige Einschätzung bedeute nicht, dass mit der Weltwirtschaft alles in Ordnung sei, fügte Roubini hinzu. „Das Wachstum ist seit zu langer Zeit zu schwach und hat bisher zu wenigen Menschen genutzt.“ Zusätzlich sei Europa in einer ungemütlichen Lage: „Europa ist in schlechter Nachbarschaft. Russland wird aggressiver, und der Mittlere Osten brennt.”

Den Brexit und die daraus entstehenden Unwägbarkeiten – Gesprächsthema Nr. 1 auf der EXPO REAL – betrachtet er eher nüchtern. Roubini: „Der Brexit war, aus finanzmarkpolitischer Perspektive, ein Non-Event. Er war ein Schock, keine Krise – ein regionaler Schock, kein globaler Schock, und ein vorübergehender Schock: Er dauerte ungefähr eine Woche.“ Doch Roubini traf auch die Aussage: „Europa muss zusammenhalten, denn entweder Ihr schwimmt zusammen oder Ihr geht zusammen unter.“

 

Möglicher Wahlsieg von Trump als „kurzfristiges Risiko“

Als „kurzfristiges Risiko“ sieht er die Frage, ob Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen wird und wie es dann weitergeht. Roubini: „Die Frage ist, wenn er gewählt wird, ob er sich mäßigen wird oder ob seine Politik so radikal sein wird, wie er es in einigen Reden angekündigt hat.“ Es sehe jedoch derzeit „weniger wahrscheinlich“ aus, dass Trump gewählt werde. Roubini: „Das mag der Grund dafür sein, dass die Märkte dieses spezielle Risiko derzeit herunterrechnen.“

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