Kreuzfahrtschiff auf dem Fluss Tejo © Anabela Loureiro

Lissabon auf der EXPO REAL: Vertrauen in Portugals Immobiliensektor

© privat
Joaquim Pereira de Almeida
Mitgründer von Magazine Imobiliário

Portugal stellt sich auf der diesjährigen EXPO REAL erneut mit einem Gemeinschaftsstand vor. Der Stand wird von Invest Lisboa koordiniert, der Investitionsförderungsagentur Lissabons, und bringt sieben Unternehmen aus dem Großraum Lissabon nach München. Joaquim Pereira de Almeida, Herausgeber der portugiesischen Zeitschrift „Magazine Imobiliário“, berichtet über die Entwicklung des Immobilienmarkts in Portugal, die Rolle Lissabons und seine Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen.

 

Portugal könnte eine perfekte Fallstudie für die Immobilienwelt darstellen. Erst Mitte der Achtziger wurden die Grundsteine für einen modernen Immobilienmarkt gelegt. Die Aufnahme Portugals in die EWG, seine politische Stabilität und sein herausragendes Wachstumspotenzial lockten ausländische Investoren jeder Couleur an. Das Ergebnis: sehr hohe Renditen und Immobilienprojekte aller Art, die quasi über Nacht emporschossen. In weniger als zehn Jahren gab es eine echte Immobilienrevolution. Nie zuvor wurde in so kurzer Zeit so viel gebaut wie in den Neunzigern, und das in sehr guter Qualität. Portugal weckte nachhaltig das Interesse der internationalen Investoren.

Ein komplementärer Faktor verstärkte diesen Trend noch: die Veranstaltung der Weltausstellung EXPO 98 in Lissabon. Die Entwickler wählten einen stark heruntergekommenen Stadtbezirk aus und leisteten gute Arbeit: Sie erneuerten nicht nur den Bezirk, sondern stellten auch einen städtischen Entwicklungsplan auf, der auch den Bau hochentwickelter Infrastruktur vorsah. Als die Weltausstellung zu Ende ging, war eine neue Stadt geboren – ein modernes und attraktives Viertel, das heute ein neuer Zentralbereich der Stadt ist und für potenzielle Anleger ein wichtiger Standortfaktor.

Dabei sollte auch das starke, landesweite Wachstum im Tourismus erwähnt werden. In Lissabon entstanden Dutzende neuer Hotels, sodass die Metropole seinerzeit ein heißbegehrtes Reiseziel war.

Alles schien glatt zu laufen, und wer weiß, was gewesen wäre, wenn die Weltfinanzkrise 2008 der Partylaune kein jähes Ende versetzt hätte. Portugal sah sich gezwungen, beim IWF und der EU ein Rettungspaket zu beantragen, und für vier lange Jahre wurde das Land von außen mit strengen Sparmaßnahmen gesteuert. Der Immobiliensektor fiel in einen Winterschlaf. Die Investitionen versiegten, es herrschte totale Stagnation.

Aber negative Zyklen haben ebenfalls ein Ende, und ab 2014 machten sich positive Signale bemerkbar. Investoren kehrten mit einer solchen Wucht zurück, dass derzeit das größte Problem im portugiesischen Immobiliensektor ist, dass es einfach nicht genügend Produkte gibt, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Was sich in der Zwischenzeit bei der Stadtsanierung alles getan hat, reicht einfach nicht aus – Leute mit Geld wollen mehr. Deshalb glaube ich, dass uns einige sehr gute Jahre bevorstehen, trotz der besorgniserregenden Entwicklungen, die auf den Austritt Großbritanniens aus der EU folgen könnten.

Ich bin voller Zuversicht.

Über den Dächern von Lissabon trohnt die Burg Castelo S. Jorge.

Über den Dächern von Lissabon trohnt die Burg Castelo S. Jorge.

Schreiben Sie einen Kommentar