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„Keiner weiß, wie es in 2-3 Jahren weitergehen wird“

Thema des Tages am 1. Messetag: “Ist das Denken in Zyklen vorbei?” im EXPO REAL FORUM

Auf- und Abschwünge in Wirtschaftszyklen bilden das klassische Fundament von Marktanalysen. Doch wir leben in einer veränderten Welt. Zu ihr gehören enorme politische und ökonomische Unsicherheiten, verbunden mit viel Kapital und neuem Tempo. Gilt das „alte Denken“ noch oder ist es längst obsolet? Darüber diskutierten heute in der Auftaktveranstaltung des EXPO REAL FORUM Wirtschafts- und Finanzfachleute. Moderiert wurde die Runde von Prof. Dr. Tobias Just, IREBS Immobilienakademie.

Im Kern waren sich alle Teilnehmer einig: Die nächsten zwei, drei Jahre kann man halbwegs überblicken – was danach kommt, ist unklar.

Claus Thomas von LaSalle bringt die Sicht der Inverstoren auf den Punkt: „Die Frage für Investoren ist, in welche Projekte an welchen Standorten kann ich investieren, wo wirklich langfristig Nutzernachfrage da ist.“

„Die Notenbank wird mittlerweile zum Problem“

Prof. Lorenz Reibling von Taurus Investment sieht die Lage mindestens ebenso kritisch – die derzeitige Politik wird seiner Ansicht nach nicht mehr lange gut gehen. Es gebe sehr viele Faktoren, die in den nächsten Jahren noch kommen können – und „das eine oder andere wird auch einschlagen: Wir haben Trump, wir haben Brexit hier in Europa, vor der Haustür“. Dazu könnten „militärische Konflikte, vielleicht sogar in Osteuropa“, kommen, sowie „die Chinesen, die weiter expandieren“. Seine Empfehlung: sich rechtzeitig immer wieder Gedanken machen, denn selbst wenn „momentan alles gut und auf Sicht ganz gut“ sei, müsse man sich die Frage stellen: „Was passiert, wenn’s mal wieder anders ist?“

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, nimmt mit ihrem Statement die EZB klar unter Beschuss. Ihrer Ansicht nach wäre es an der Zeit, dass die Geldpolitik weniger eingreift. „Wir brauchen keine Geldpolitik, die die Märkte kaputte macht. Man löst ja die Probleme nicht mehr – die Notenbank wird mittlerweile zum Problem“ Sie rechnet erst für 2019 mit einer Zinserhöhung.

„Irgendwann kommt bei jeder Party das Ende“

Prof. Dr. Max Otte vom IFVE findet versöhnlichere Wort, aber auch er endet nicht ganz ohne erhobenen Zeigefinger: „Wir haben eine Immobilienwirtschaft, die in guten Lagen brummt, die seit Jahren brummt, wo auch kein Ende abzusehen ist im Moment – aber irgendwann kommt bei jeder Party das Ende…“

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