© Stefan Sauer/Messe München

„Digital Leadership muss vorgelebt werden“

Thema des Tages am 2. Messetag: “Kluge Köpfe“ zu Digitalisierung im EXPO REAL FORUM

 

Der dritte Messetag der EXPO REAL ist vor allem als CareerDay bekannt. In diesem Jahr war er auch der Tag der „Klugen Köpfe“ und „Digitalen Denker“: „Kluge Köpfe“ hieß die erste Veranstaltung im EXPO REAL Forum zum Thema „Digitalisierung: Veränderte Prozesse und neue Nutzerlandschaften“ mit Prof. Dr. Peter Russo (EBS Universität), Dr. Florian Stadlbauer (Commerz Real AG), Dr. Martin C. Wolff (Philosoph & Berater) sowie Henryk Plötz (Informatiker „Chaos Computer Club“). Michael Franke (Focus) leitete die Diskussion.

 

Die Digitalisierung ist in aller Munde, auch in der Immobilienbranche – das weiß auch Prof. Peter Russo: Die Frage „Mensch, ich muss digitalisieren – wie mache ich das denn?“ höre er häufig bei Gesprächen mit Branchenvertretern, sagte er gleich zu Beginn seiner Keynote. Doch bei Digitalisierung und Innovation geht es nicht nur um neue Technologien und deren Anwendung. Sondern auch um Innovationsmanagement – und um Menschen. Ein breites Thema also, das in diesem Panel von vier Experten beleuchtet wurde, die unterschiedlicher kaum sein konnten: ein Wissenschaftler, ein ehemaliger Games-Entwickler, ein Philosoph und ein Informatiker und „Hacker“. Und doch hatten sie eine Gemeinsamkeit: Bis auf Stadlbauer, der nach eigenen Worten „aber auch erst seit vier Wochen in der Immobilienbranche“ ist, waren alle Klugen Köpfe in diesem Jahr Branchen-Outsider. Vielleicht die ideale Voraussetzung, um über Innovation zu sprechen?

 

„Lassen Sie sich auf Ihre Angst vor der Digitalisierung ein“

„Tut sich die Immobilienbranche auch deshalb so schwer mit der Digitalisierung, weil sie zu fragmentiert ist, um in vollem Umfang damit konfrontiert zu sein?“ Prof. Russo stellte diese These in den Raum, um gleich darauf den Branchen-Insidern im Publikum diesen Zahn wieder zu ziehen: „Das ist auch nur eine Ausrede.“ Stadlbauer nennt die seiner Erfahrung nach eigentlichen Gründe: „Silodenken behindert Innovation und Digitalisierung“. Vor allem Führungskräfte seien beim Wandel gefragt, denn: „Digital Leadership muss vorgelebt werden.“ Wolff betrieb als Berater in sehr traditionellen Unternehmen seine eigene Ursachenforschung. Sein Appell an die Branche und ans Publikum: „Lassen Sie sich auf Ihre Angst vor der Digitalisierung ein!“ Es gebe niemanden, der nicht wisse, was auf ihn und sein Unternehmen zukomme. Aber die Angst lähme viele Unternehmen. Sie ignorierten die Erkenntnis, etwas ändern zu müssen, und steuerten quasi sehenden Auges auf den Abgrund zu. Dafür gebe es prominente Beispiele wie Nokia. Dabei sei es eigentlich ganz einfach, hatte Russo schon zu Beginn in seiner Keynote ausgeführt: “Innovation hat weniger mit Kreativität als mit Analyse zu tun.“ Ein Unternehmen müsse vor allem die sich wandelnden Bedürfnisse seiner Kunden erkennen, analysieren und darauf reagieren – „So entsteht Innovation.“ Bei der Digitalisierung habe man aber sowieso keine Wahl, resümierte er: „Die Immobilienwirtschaft muss den Weg der Digitalisierung mitgehen – die kommt so oder so!“ Stadlbauer legte noch einen drauf: „Um uns herrscht ein digitaler Tsunami – wir müssen auf der digitalen Welle zum Surfer werden“.

 

„Ich glaube nicht an eine biologische Lösung“

Das alles kostet Geld und Ressourcen, da müsse sich niemand etwas vormachen. Wolff: „Ohne Investitionen geht es nicht.“ Unternehmen müssten ihre Mitarbeiter befähigen, ihnen Fragen stellen, Ressourcen freimachen. Mit dem Einkauf neuer Technik sei es nicht getan: „Digitalisierung hat viel mit Menschen zu tun.“

Wer nun aber auf eine „biologische Lösung“ setze, wie er es von manchem Unternehmer schon gehört habe, sei auf dem Holzweg, ist Russo sich sicher: „Die Technologie entwickelt sich immer schneller, aber wir leben immer länger…“

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