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Bezahlbarer Wohnraum – eine Frage der Kreativität?

Thema des Tages am 2. Messetag: “Zuwanderung und Bauen“ im EXPO REAL FORUM

„Neue Menschen in Deutschland: Zuwanderung und Bauen“, war das Thema des Vormittags im EXPO REAL FORUM. Das Panel hatte die demographischen und soziographischen Entwicklungen im Blick. Unter der Moderation von Michael Neitzel (InWis) diskutierten: Henriette Reker (OB Köln), Dr. Joachim Seeler (Hamburgische Bürgerschaft), Prof. Dr. Michael Voigtländer (Institut der deutschen Wirtschaft, Köln), Prof. Günter Vornholz (EBZ Business School, Bochum). Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, vertrat in seiner Keynote die Position der Bundesregierung.

Gleich zu Beginn waren sich alle Diskutanten in einem Punkt einig: Der wachsenden Bevölkerung muss Rechnung getragen werden. Es gebe deutliche Anzeichen dafür, dass in den nächsten Jahren nicht mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechnen sei. Henriette Reker: „Das 10.000 Kind in Köln wurde dieses Jahr erstmals schon im September geboren – und nächstes Jahr ist es vielleicht schon im Sommer so weit.“

 

„Wandeln Sie mal einen Stadtpark in Bauland um“

Mehr Menschen brauchen mehr Wohnraum, darin waren sich alle Diskutanten einig. Die eigentliche Herausforderung brachte Prof. Vornholz auf den Punkt: „Es fehlt an Flächen für sozialen Wohnungsbau – aber wandeln Sie mal einen Stadtpark in Bauland um…“ Die Widerstände gegen neue Bauprojekte seien, auch in der Bevölkerung, zum Teil erheblich. Hinzu komme eine teilweise noch erkennbare Zurückhaltung bei den Investoren, so die Hamburger Erfahrung von Dr. Joachim Seeler: „Ich sehe auf Investorenseite einen grundsätzlichen Attentismus: Wollen wir an Flüchtlingen Geld verdienen?“ Die Antwort müsse eindeutig „ja“ lauten, so seine Meinung. Um den Neubau von bezahlbaren Wohnungen trotz aller Hemmnisse möglich zu machen, sei vor allem Kreativität gefragt. Dafür gebe es bereits erste Anzeichen, bestätigte der Prof. Voigtländer als Vertreter der Wissenschaft: „Die Flüchtlingskrise weckt Erfindergeist.“ Dr. Seeler konnte dies mit einem Beispiel aus der Hansestadt belegen: „Bei uns wird derzeit die A7 eingehaust, um Wohnungsbau direkt an der Autobahn zu ermöglichen.“ Allerdings brauche man für größere Neubauprojekte in Deutschland einen langen Atem: „Eine neue S-Bahnstrecke braucht mind. 15 Jahre bis zur Fertigstellung“, so seine leidvolle Erfahrung. Henriette Reker bestätigte beide Erfahrungen: „Wir müssen alle eine eigene Lösung finden – und wir brauchen einen langen Atem.“

 

„Wir sind ein Einwanderungsland“

Florian Pronold als Vertreter der Bundesregierung zeigte sich in seiner Keynote kämpferisch: „Konzentration & politischer Wille sind das Erfolgsgeheimnis, ob früher beim Verkehrswegeplan oder jetzt beim sozialen Wohnungsbau.“ Er sieht schon deutliche Fortschritte, zum Beispiel beim Thema Erstaufnahme: „Vor einem Jahr war der Staat überfordert, jetzt sind wir besser aufgestellt.“ Allerdings muss auch er zugeben, dass noch lange nicht alle Weichen richtig gestellt seien, um die mit der Migration verbundenen Herausforderungen optimal zu lösen. Pronold: „Ich kämpfe seit 15 bis 20 Jahren für ein Zuwanderungsrecht – denn wir sind ein Einwanderungsland.“

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