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Activity Based Working – Bürowelt im Wandel

Jan Zimmermann
Jan Zimmermann
Redakteur für das mapolis Architekturmagazin

Der Trend des „Activity Based Working“ wandelt unsere Arbeitsplätze und stellt Bauplaner vor neue Herausforderungen.

 

Früher war der Mensch von den Ressourcen zumindest nominell ausgenommen, seit einer Weile ist er (auch im deutschen Sprachraum) selber eine. Und wie bei allen anderen Rohstoffen stellt man sich auch bei den „human resources“ die Frage, wie man diese optimal einsetzen kann. Besonderes Augenmerk wird hier seit einiger Zeit zunehmend auf die Arbeitsbedingungen gelegt, wodurch die Frage nach dem optimalen Einsatz der Ressource Mensch auch schnell zu einer der Architektur wird.

Der stärkste Trend geht derzeit wohl Richtung „Activity Based Working“ (ABW). Multinationale Konzerne wie Google oder Microsoft folgen diesem Konzept schon seit einigen Jahren und auch die neue Microsoft Deutschland-Zentrale in Schwabing wurde dementsprechend entworfen. Dabei verschwinden dem Grundgedanken nach die alten festen Arbeitsplätze und werden stattdessen durch offene Strukturen, bestehend aus einer Vielzahl von Arbeitsmöglichkeiten, ersetzt. Im Fall der Schwabinger Microsoft-Zentrale etwa können sich die „Microsofties“ zwischen vier unterschiedlichen Bereichen mit jeweils ganz eigenen Arbeitsbedingungen entscheiden.

Alle sind gleich; alle sind im „Flow“

Alles scheint offen und jedermann zugänglich – geschlossene Türen gibt es gefühlt allenfalls in den (noch nicht ganz überholten) Konferenzräumen. Ansonsten besitzt selbst Microsoft Deutschland-Chefin Sabine Bendiek weder ein eigenes Büro noch einen eigenen Schreibtisch. Microsoft demonstriert damit seinen festen Glauben an das ABW-Konzept und liefert gleichzeitig eine wunderbar egalitäre Erkenntnis: Vor der Optimierung sind alle gleich.

Microsoft betont außerdem, dass es nicht mehr um eine duale Work-Life-Balance, sondern um einen singulären „Work-Life-Flow“ geht: einen fließenden Übergang zwischen Arbeit und Privatleben, bei dem die Festigkeit von Zeit und Ort keine Rolle mehr spielt. Keine Stechkarten, keine Kontrolle. Was zählt, ist allein die eigene Produktivität.

Herausforderung ABW

Die Weltkonzerne machen es vor, doch dabei wird es vermutlich nicht bleiben. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeit dürfte sich auch ABW zunehmend durchsetzen. Die Planung von Bürogebäuden wird dadurch komplexer. Geradlinige Schreibtischplatz-Cluster müssen einer ergonomischeren, offeneren, funktionaleren und, ja, attraktiveren Architektur weichen, die im Optimalfall auch mal das eigene Zuhause ersetzen kann. Ob der so ermöglichte Work-Life-Flow am Ende gesund ist, bleibt abzuwarten. Zur Not gibt es dann aber noch „Health Based Working“ (HBW). Doch dazu ein andermal mehr.

 

Das Konzept des Activity Based Working geht auf den niederländischen Unternehmensberater Erik Veldhoen zurück. Beim Activity Based Working fallen fest zugeschriebene Arbeitsplätze weg. Stattdessen führt man sein Arbeitsgerät (Handy, Laptop etc.) stets mit sich. Was man nicht dauernd wieder mit nach Hause schleppen will, kommt in den Spind.

 

Links zum Thema ABW:

https://www.youtube.com/watch?v=GptmPZqNAu4 (englisch)

http://www.bloomberg.com/news/articles/2014-09-18/activity-based-working-office-design-for-better-efficiency (englisch)

http://www.architektur-online.com/allgemein/smart-working

http://www.ecophon.com/de/Unternehmen/newsredaktion/ein-langer-weg-activity-based-working/

Mehr zur Microsoft Deutschland-Zentrale:

http://news.microsoft.com/de-de/features/unsere-vision-einer-neuen-arbeitswelt/#sm.00000rpzr7qkb7ef4xb0zpr6zvskx

 

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